Elfspawn, Kapitel 3: Fox

Zeit: Nicht ganz eine Woche nach Reginas Heimkehr
Ort: Ein Städtchen in den Black Hills (Platte Republik)

Der Gebäudekomplex am Stadtrand hieß einfach nur „Das wissenschaftliche Institut“. Zu Zeiten der ehemaligen USA hatte es sich in Privathand befunden, bevor es für eine stattliche Summe in den Besitz der neu gegründeten Platte Republik übergegangen war, die wiederum einen Teil der Einrichtung an den Pakt weiter vermietete. An den eingefahrenen Routinen der Mitarbeiter hatte sich dadurch allerdings nur wenig geändert, zumal die meisten aus den Vereinigten Staaten hervorgegangenen Staaten weiterhin den Dollar nutzten und die neuen Kollegen, die ihre Gehaltsüberweisung aus Luzern erhielten, auch in eben dieser Lokalwährung bezahlt wurden.

Jedes Schulkind der Region wurde irgendwann während seiner Laufbahn einmal durch die verschachtelten Gänge und die Labore, in denen rein gar nichts zu passieren schien, geführt. Da blubberten keine mysteriösen Flüssigkeiten, sprangen keine Versuchstiere gegen ihre Käfigtüren und nirgendwo blinkten bunte Lämpchen aufgeregt. Der Gipfel dieser Frecheheit war, dass selbst Zimmer, in denen lediglich Computer standen, als Labore bezeichnet wurden.
Ein kurzer Blick auf das Schild vor der Einfahrtschranke verriet, dass es sich bei „dem Institut“ um eine dem Umweltschutz gewidmete Einrichtung handelte. Im Inneren des Gebäudes blubberte, rappelte und blinkte es sehr wohl, doch nicht zur Unterhaltung der Besucher. Die Arbeitsgebiete der Wissenschafter waren vielfältig: Versuchsanlagen für Energiegewinnung aus Biogas teilten sich den Komplex mit Laboren, in denen die DNA aus dem südamerikanischen Regenwald eingeflogener Frösche untersucht wurde, ob es sich wohl um eine der Wissenschaft unbekannte Art handeln mochte. Farmer liesen ihr Saatgut auf Keimfähigkeit untersuchen, besorgte Wanderer brachten seltene Käfer vorbei und erklärten, die müssten wohl die Elfen eingeschleppt haben, und Wasserproben aus der Region, nicht zuletzt aus dem namensgebenden Fluss Platte, liefen hier durch die die staatlich vorgeschriebenen Tests.
Während des Krieges hatte das Gebäude als Hospital gedient. Es war nie in die Hände des Feindes gefallen, wohl aber hatte man verwundete, gefangengenommene Elfen hinein-, wenngleich nicht wieder hinausgebracht werden sehen…

An diesem Vormittag rollte ein Pickup die Straße entlang und kam vor dem Haupteingang des Instituts zum Stehen. Auf der Ladefläche stand eine mit Luftlöchern versehene Kiste. Zwei zehn- bis zwölfjährige Jungs in der Uniform von Pfadfindern hockten ebenfalls dort oben, die Kiste nicht aus den Augen lassend.
Aus dem Fahrerhäuschen sprang ein Erwachsener, der an seinem Hut und den Abzeichen als Kommandant einer Pfadfindergruppe zu erkennen war.
Eine Wissenschaftlerin des Instituts lief hocherfreut auf die Ankömmlinge zu. „Wir haben Sie bereits erwartet!“ rief sie ihnen entgegen. Während der Pfadfinderführer nur stumm nickte, ohne sich von der Stelle zu bewegen, überholten zwei kräftige Assisstenten ihre Vorgesetzte. Alle drei Institutsmitarbeiter wiesen einen zusätzlichen Stempel auf ihren Mitarbeiterpässen aus, der sie als Angestellte des Paktes auswies.
Die beiden Pfadfinder lösten die Riegel der Ladeklappe des Pickups. Geräuschvoll schwang diese nach unten.
Die beiden Assisstenten kletterten auf die Ladefläche. „Bleibt zurück“, wies einer die beiden Jungs an, dann schickten sich die Männer an, die Kiste zu öffnen. Gespannt verfolgten die beiden Kinder den Prozess. Sie stießen sich gegenseitig in die Seite und stellten sich auf die Zehenspitzen, um nicht zu verpassen, was nun passieren würde.
Einem aufmerksamen Beobachter wäre nicht entgangen, dass der Pfadfinderführer die ganze Zeit über seine Hand auf einer Pistole in seinem Gürtelhalfter hielt. Die Wissenschaftlerin blieb an der Seite des Mannes stehen. Ihre Haltung war zwar nicht gerade entspannt zu nennen, doch schien sie die ominösen Befürchtungen des Pfadfinderführers nicht zu teilen – oder lies es sich wenigstens nicht anmerken.

Den beiden Assisstenen war es mittlerweile gelungen, den Deckel der Kiste ein wenig anzuheben, ohne sie gänzlich zu öffnen. Im Inneren hockte zusammengequetscht ein dritter Junge im selben Alter wie die beiden Pfadfinder. Auch dieses Kind trug eine Uniform der Bear Cave Boy Scouts, doch ihm fehlte das Käppi und sein Halstuch diente als improvisierter Kopfverband. Blaue Flecken, Kratzer und Schrammen verunstalteten Gesicht und Unterarme.
Der Junge sah auf. Er blinzelte in die Sonne. Zu geschwächt für mehr lies er den Kopf beinahe sofort wieder sinken.
Die beiden Institutsangestellten tauschten beredte Blicke aus, dann winkte der eine seiner Vorgesetzten: „Alles in Ordnung! Die Ware stimmt und ist intakt!“
„Da haben Sie Ihre Bestie“, kommentierte der Pfadfinderführer seine Lieferung. „Sieht aus wie ein Mensch, ist aber ein Raubtier!“
„Gut gemacht!“ meinte auch einer der beiden Männer auf der Ladefläche zu den Knaben. „Auf den Fang könnt ihr wirklich stolz sein.“
Jetzt erst entspannten sich die beiden Kinder. Einer grinste breit und versuchte, möglichst lässig dazustehen, während der andere, etwas kleinere, seine Gestalt so weit wie möglich straffte. Das Lob aus dem Mund des Institutsmitarbeiters wog doppelt, nicht etwa, weil dieser Mann dem Pakt diente, sondern weil er selbst in der kleinen Stadt aufgewachsen und ein Bear Cave Scout gewesen war.
Die Pfadfinder sahen zu, wie die Wissenschaftlerin ihrem Kommandanten ein Bündel Geldscheine in die Hand zählte. In ihrem Rücken verschlossen die Assisstenten die Kiste wieder und trugen sie an den Kindern vorbei ins Innere der Instituts.
Der Pfadfinderführer wedelte mit den Geldscheinen. „Okay, Jungs, das Sommerlager wäre damit gerettet.“ Er schritt auf den Pickup zu, ohne sich noch einmal umzusehen. „Fahren wir zurück ins Clubhaus!“

Der Pickup verschwand mit quietschenden Reifen in Richtung Wald. Er war noch nicht ganz außer Sicht geraten, als ein weiblicher Teenager mit flammendrotem Haar die Straße aus Richtung Stadt entlang gelaufen kam. Regina Ameline wurde zunehmend nervöser. Sie sah, dass sie gleich den Stadtrand erreicht haben würde, doch bisher hatte sie kein Gebäude gefunden, das auch nur annähernd einer Kadettenschule geglichen hätte. Auch dieses große Krankenhaus oder-was-auch-immer wollte nicht zu der Vorstellung passen, die sich das Mädchen von einer derartigen Akademie machte.
Regina warf einen skeptischen Blick auf das Schild am Haupttor. Sie verglich Name und Anschrift des Instituts mit der Absenderadresse auf einem Brief, den sie in der Hand hielt und schüttelte den Kopf. Die Adresse stimmte überein. Vielleicht, so überlegte das Mädchen, sollte sie einfach eine Runde um den Koloss drehen.
Seufzend rückte Regina den Träger ihrer Reisetasche zurecht, bog von der Straße ab und hielt sich an der Gebäudemauer. Nach dreißig Metern wich diese einem Lattenzaun, doch auch durch diesen hindurch lies sich nichts erkennen, das Regina als Schul- oder Kasernenhof gedeutet hätte.
Noch scheute sich das Mädchen, die in ihrem Brief angegebene Telefonnummer anzurufen. Zwar trug sie ihr Smartphone bei sich, doch wollte sie sich nicht gleich am ersten Tag in der neuen Schule blamieren, indem sie zugab, sich ausgerechnet in diesem Nest hier verlaufen zu haben!

Regina umrundete das halbe Institut, bis sie, mehrere verschlossene Zufahrten passierend, den Hintereingang erreichte. Er wurde durch eine breite Lücke zwischen zwei Nebengebäuden gebildet. Der Hinterhof war grasbewachsen und nur ein schmaler Kiesweg führte von den einzelnen Gebäuden zum Ausgang. Ein freistehendes Pförtnerhäuschen sowie eine Schranke versperrten Unbefugten den Zugang.
Da weit und breit keine Menschenseele zu sehen war, fasste sich die angehende Kadettin ein Herz. Entschlossen lief sie auf die augenscheinlich unbewachte Schranke zu. Das Mädchen bückte sich, kroch unter dem Balken hindurch und dem folgte anschließend dem Kiesweg über das Gelände bis zum erstbesten Gebäude innerhalb des Komplexes.

Regina lief auf eine Glastür zu, die sich vor ihr öffnete. Etwas weniger forsch als noch im Hof setzte sie einen Fuß vor den anderen ins Innere.
„Hallo?“
Vom Eingangsraum aus führten drei weitere Glastüren tiefer in das Gebäude. Aus zweien der Gänge waren Schritte zu hören.
Regina lächelte erleichtert, als sie eine wie eine Laborantin gekleidete Frau auf sich zukommen sah. „Ich glaube, ich habe mich verlaufen“, rief sie, während sie der Einheimischen entgegenrannte. „Ich will auch nicht lange stören!“ Regina schwenkte den Brief vor der Nase der Frau herum. „Ich suche diese Schule! Wissen Sie, wie ich da hinkomme?“
Die Institutsangestellte runzelte die Stirn. „Wovon redest du? Und wer hat dich überhaupt reingelassen?!“ verlangte sie zu wissen.
Unterdessen wurde des Geräusch der Schritte aus dem zweiten Gang lauter. Regina schätzte, dass es von mindestens zwei weiteren Personen ausging. Sie drehte ihren Kopf in die ungefähre Richtung, aus der das Geräusch kam. Vielleicht vermochten ihr ja diese Neuankömmlinge besser zu helfen, und falls nicht, so konnten sich die Erwachsenen zumindest gegenseitig dafür anschreien, das fremde Kind unbefugterweise hineingelassen zu haben.

Zwei bewaffnete, uniformierte Männer näherten sich aus dem Gang rechter Hand. Sie führten einen Teenager, etwas älter als Regina, zwischen sich. Der Junge trug leuchtend gelbe Gefängniskleidung und seine Hände waren mit Handschellen gefesselt. Er bewegte sich völlig lautlos, obwohl er normal ging und keinerlei Anstalten unternahm, zu schleichen oder auch nur vorsichtig aufzutreten. Dennoch schien es, als sei er gar nicht vorhanden, als handle es sich viel eher um ein Trugbild als einen soliden Körper. Allein die Schritte der den Häftling begleitenden Männer waren zu hören.

Als die drei Regina und der Laborantin erreichten, flackerte die Gestalt des Jungen ein wenig, als wolle sie sich auflösen.
„Lass das!“ Einer der Wärter versetzte dem Gefangenen einen Schlag auf den Hinterkopf. Sofort hörte das Flackern auf. Dennoch war weiterhin kein Laut zu hören, als der Junge unsanft nach vorn gestoßen wurde.
„Hier ist der Häftling, der Ihnen überstellt werden soll!“ erklärte einer der beiden Uniformierten.
Die Institutsangestellte rückte ihre Brille zurecht. „Wir haben Sie bereits gestern erwartet“, erklärte sie vorwurfsvoll.
Einer der Wärter zuckte die Achseln. „Ihr Kandidat hat sich noch mal nen Tag Strafarbeit eingefangen. Dadurch hat sich die Entlassung halt verzögert.“
Die Institutsangestellte rollte die Augen in einer „Als ob das von Bedeutung wäre“-Manier. „Ich bringe Sie zur Klärung der Übergabeformalitäten zum Direktor“, meinte sie.
„Und was ist mit mir?“ warf Regina in die Runde. Ihre Geduld hatte längst ihre Grenzen erreicht – und überschritten. Allein in einem fremden Land, mit Kräften verflucht, aufgrund derer die Mehrheit ihrer eigenen Artgenossen sie mied oder gar hasste, und dann auch noch am ersten Schultag verlaufen? Nein, das war alles ein bißchen zu viel!
„Hören Sie mal, ich habe meine Frage zuerst gestellt!“ versuchte sich Regina Gehör zu verschaffen. Das Papier in ihren Händen wurde warm. Er begann von innen heraus zu glühen und ehe es sich Regina versah, verbrannte der Brief zwischen ihren Fingern.
„Shitte…“
Anstatt Regina nun wie ein dreiköpfiges Kalb anzustarren oder scharf zurechtzuweisen, schmunzelte die Laborantin. „Alles klar“, meinte sie. „Das eben war eindeutig und ich weiß jetzt, welche Schule du meinst. Komm einfach mit!“

Die Frau nickte der Gruppe mit dem jugendlichen Häftling zu. „Und Sie bitte ebenfalls.“
Die beiden Gefängniswärter zuckten die Schultern. Froh, endlich jemand gefunden zu haben, der sich in dem Ameisenhaufen von Institut auszukennen schien, folgten sie der Frau.
Diese wandte sich an Regina: „Wir fungieren hier als eine Art Relaisstaion zwischen deiner Schule und der mundanen Welt, verstehst du? Nicht an jedem Ort sind Zauberer willkommen und wir wollen kein Risiko eingehen.“
Regina nickte stumm. Diese Lektion hatte sie in den Nachkriegswochen bereits gelernt. Die Menschen brachten Zauberern keine Sympathien entgegen. Nicht, weil Jugendliche wie Regina über unerklärliche Kräfte verfügten, nein, Magie war ja nicht mehr unerklärlich. Doch handelte es sich um eine mit dem Feind assoziierte Fähigkeit, die aus mit Zauberkraft begabten Kindern in den Augen so mancher Leute schon beinahe halbe Elfen machte. Da sich Zauberer aber in der Regel zu wehren wussten, gerieten bevorzugt ihre Fürsprecher ohne eigene Zauberkräfte, die „Hexenfreunde“ ins Visier derer, die sie hassten.

Regina wandte sich zu dem Gefangenen um. Der Junge war schlaksig, deutlich größer als sie und wirkte allgemein etwas verwahrlost. Dass auch er über besondere Kräfte verfügte, war ja nicht zu übersehen gewesen. Doch offensichtlich hatte der andere sie bis jetzt nicht gerade zum Wohle der Allgemeinheit eingesetzt…
„Hi!“ sprach Regina den Jungen an. „I am Regina Ameline!“
Die Wärter knurrten nur etwas Unverständliches. Regina musste ihr Schulenglisch nicht bemühen, um zu verstehen, was ausgedrückt werden sollte: Ein Kontakt zu dem Häftling war nicht erwünscht, solange dieser sich noch in ihrer Obhut befand.
Regina lies sich daher etwas zurückfallen und trottete hinter den anderen her zum Büro des Institutsleiters.

Dort angekommen gab es für das Mädchen nicht viel zu tun, als sich von dem Forscher die Hand schütteln zu lassen, zu versprechen, ihrem Vater bei nächster Gelegenheit einen Gruß von ihm auszurichten und sich dann still auf einen an der Wand stehenden Stuhl zu setzen, während ihr Zaubererkollege abgefertigt wurde.
Der Name des Jungen lautete Fox Burgh, wie Regina hörte. Er bekam seine Entlassungspapiere ausgehändigt, die er sorgfältig in einem Fach seines Rucksacks verstaute. Anschließend legte ihm der Institutsleiter den Anmeldebogen für die Militärschule zur Unterschrift vor. Zögerlich, von einem nur halbherzig unterdrückten Seufzen begleitet, unterzeichnete Fox das Dokument. Anschließend wandte er sich zu Regina um.
Als er in ihr Gesicht blickte, runzelte der Junge seine Stirn. „Hey… warum grinst du so schräg?“
Regina zuckte zusammen. „Ertappt!“ schoss es ihr durch den Kopf. Der Gang ihrer Gedanken ging den Fremden nicht das Geringste an! Sie entstammte einer traditionsreichen Militärfamilie, deren Angehörige sich mehr als einmal vor der Menschheit bewiesen hatten. Dieser da hingegen hatte den Krieg in einer Gefängniszelle verbracht und verdankte seinen Platz an der Kadettenschule allein einer angeborenen Fähigkeit, wie… wie… wie seine roten Sommersprossen! Das war, so fand Regina, nicht im Geringsten vergleichbar und so würde sie dem kriminellen Subjekt auch nicht verraten, dass sie an Labor 25 gedacht hatte, jenes streng geheime Forschungszentrum, das der Pakt irgendwo auf dem Globus unterhielt.
Regina meinte, genau zu wissen, wo sich Labor 25 befand, nämlich hier in den Black Hills, in eben jenem Gebäudekomplex, in dem sie und Fox gerade saßen, getarnt als hinterwäldlerische Saatgutprüfstelle. Wer wusste schon, wie tief in den Berg hinein sich der Komplex ziehen würde?
Zudem würde die Magierschule einen beinahe ebenso hohen Stellenwert wie Labor 25 einnehmen. Doch wie gesagt ging all dies Fox nichts an.
„Staatsgeheimnis“, erwiderte Regina daher.

„Ey, die hat doch einen an der Hacke!“ dachte Fox. Ob alle Zauberer so waren?
„Sind alle Zauberer so drauf wie du?“ fragte er.
Regina zuckte die Achseln. „Ich habe noch keinen weiter kennengelernt, nicht persönlich jedenfalls“, erklärte sie wahrheitsgemäß.
Fox legte seine Arme über die Stuhllehne und platzierte sein Kinn darauf. „Mhm…“ murmelte er.
„Pack dein Zeug ein!“ forderte Regina den Jungen auf. „Und vergiss deine Zulassung nicht. Wäre doch jammerschade, wenn die Akademie auf einen so motivierten Offiziersanwärter wie dich verzichten müsste!“
„Ha! Hahaha!“ lachte Fox. Bereits weniger ordentlich als sein Entlassungszeugnis stopfte er die Anmeldung für die Schule in den Rucksack. „Offziersanwärter!“ prustete er dann. „Da bin ich ja noch eher ein Zauberer!“
„Öhm… bist du doch… ein Zauberer“ entfuhr es Regina.
Der Junge aber schüttelte überzeugt den Kopf. „Nein!“ Er fuhr sich durch sein dichtes Haar, das nur unwesentlich weniger in Flammen zu stehen schien als Reginas eigenes. Offenbar irrten die alten Legenden nicht, die rothaarigen Kindern Hexenkräfte zuschrieben. „Wie soll ich das erklären…“
Für Fox Burgh stellten seine Kräfte nur eine natürliche Erweiterung der Fertigkeiten dar, mit denen er vor der Verhaftung seinen Unterhalt „verdient“ hatte. Wie ein Werkzeug oder eine spezielle Trainingseinheit für Fortgeschrittene. Er zog keine Identität aus seinen Kräften.
„Ich kann zaubern, mehr nicht“, meinte der Junge daher. „Also, das ist nicht was ich bin, sondern was ich tue.“

„Was du tust“, lies sich der Institutsleiter vernehmen, „ist, deinen Hintern von meinem Stuhl zu heben und dich zum Hangar zu begeben.“
Der Mann nahm einen Beamer vom Tisch und lies den Lichtpunkt über einen Übersichtsplan des Instituts tanzen. „Da, da und da lang, dann mit dem Lift runter und am Kontrollpunkt weiter durchfragen.“
Fox folgte dem Punkt allein mit den Augen und Regina war sich sicher, dass er den Weg allein von der kurzen Demonstration im Schlaf hätte finden können.
„Ihr dürft euch gern im öffentlich zugänglichen Teil des Instituts umsehen, aber trödelt nicht herum und bleibt bitte auf dem Gelände“, meinte der Wissenschaftler noch. „Euer Flug geht heute Abend neunzehn Uhr.“
„Und wohin geht es genau?“ hakte Fox nach. „Durmstrang in Sibirien?“
„So in der Art.“
Fox blinzelte. „Er weiß es nicht“, zischte der Junge Regina zu, als diese ihn beherzt aus dem Raum zerrte. „Der Kerl hat geblufft! Er hat keinen Schimmer, wo sich diese Schule befindet!“

Regina schloss die Tür hinter sich und dem Jungen. Eine Sekunde später wurde sie von innern wieder aufgerissen. Auf der Schwelle stand der Wissenschaftler, der sich nun wie eine Lawine vor den Teenagern aufbaute. „So ist es!“ schnarrte der Mann.
Regina hielt stand, aber Fox wich unwillkürlich einen Schritt zurück.
„Ich habe tatsächlich nicht die leiseste Ahnung, und willst du wissen, warum? Damit nicht meine Standhaftigkeit unter Folter zwischen den Elfen und dir in deinem heimeligen Hogwarts-Schlafsaal steht, sollte der Feind zurückkehren und diesen Ort hier einnehmen! Hat man dir erzählt, der Krieg sei zuende, nur weil keine Feuerbälle mehr durch die Luft fliegen? Nun, das war gelogen! Er wurde nur verlagert und beide Seiten erweitern ihr Arsenal angesichts der neu gewonnen Erkenntnisse über den Gegner. Zaubererschule, ha! Diesen Aspekt hervorzuheben, macht sich gut, um die Eltern davon abzulenken, dass ihre Kinder lernen, andere Personen zu töten.“
„Elfen“, wagte Regina einzuwenden.
Der Mann musterte sie eindringlich, erwiderte aber nichts. Er drehte sich um und schloss die Tür.

„Hast du Lust, dir das Umweltinstitut anzuschauen?“ fragte Regina leise.
„Nein, ich auch nicht“, antwortete Fox im selben gedämpften Tonfall.
Dann lief er voran, den Weg entlang, den ihnen der Institutsleiter gewiesen hatte.

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