Krutz und der Windgeist

Eine Fanfiction zum Browserrollenspiel „Simkea“

Was bisher geschehen ist:

Als die die Fantasywelt Noröm vom Bösen überrannt wurde, schuf ein mächtiger Zauberer, bekannt nur als MasterX, ein Portal, das es reinen Seelen ermöglicht, in eine andere Dimension, genannt Simkea, zu fliehen. Am Ufer eines Meeres haben die Flüchtlinge ihre Stadt „Trent“ gegründet – in ihrer Sprache bedeutet der Name „Hoffnung“.
Trent ist der Dreh- und Angelpunkt im Spiel und dort wächst auch meine Spielfigur, der Jüngling Isimud Urkhart heran, ein(e ) Angehörige( r) einer hermaphroditen humanoiden Spezies. Im Unterschied zu den meisten anderen Flüchtlingen war Isi in Noröm allerdings kein geknechteter Sklave, sondern der Spross eines Schergen des Bösen.
Isi hat kürzlich im Dämmerwald ein kleines Mädchen vor Goblins gerettet. Erst hinterher stellte sich heraus, dass es sich bei dem Opfer ebenfalls um einen Goblin handelte!
Und nun hat Isimud nicht nur dieses Kind am Hals, sondern muss sich auch noch mit dem himmlischen Erbe seiner Art herumschlagen: einem Paar machtvoller grauer Schwingen, die ihm während des Kampfes gewachsen sind, sich aber mittlerweile wieder unter die Haut zurückgezogen haben, als hätten sie nie existiert…

„Krutz und der Windgeist“ lebt von vielen kleinen Details aus dem Spiel.
Wenn ihr eine Welt sucht, in der ihr wirklich ALLES sein könnt, auf Kämpfe verzichten könnt und komplexe, spielergelenkte Warenkreisläufe mögt, schaut mal rein! Das Game ist vollumfänglich kostenlos.

Zum Spiel Simkea
Trent. Zum Küchenmeister.
Die Wiese hinter Isimuds Hütte.

Nacheinander hängte Isimud sein Hemd, die zwei Stoffbahnen, die gestern noch sein Umhang gewesen waren, sowie die Socken, die sich seit Wochen im Wäschekorb herumgetrieben hatten, auf die Wäscheleine. Obwohl es stockfinster war, fanden die Hände des Anthronen mit traumwandlerischer Sicherheit Leine und Wäscheklammern. Denn viel mehr als in seiner Hütte fühlte sich der Krieger im Garten dahinter zuhause. Hier kannte er jede Erdkrume.
Wie spät es sein mochte, wusste Isimud nicht. Die Dunkelheit war sein Verbündeter, in deren Schutz er die frisch von Blutflecken befreiten Kleidungsstücke zum Trocknen in den Wind hängen konnte.
Die ganze Heimlichkeit war natürlich ausgemachte Unsinn, denn oft genug hatten die Nachbarn Isimud zerkratzt, mit zerbeulter Rüstung und in blutigen Gewändern durchs Stadttor wanken sehen. Wer sich als Monsterjäger betat, kam nun einmal nicht um einige Blessuren herum. Die Nachbarn hätten daher ganz selbstverständlich angenommen, dass das Blut auf Isimuds Kleidung – sowohl das eigene als auch das der Gegner – von einem Kampf stammte. Was ja auch zur Hälfte zutraf. Niemand wäre auch nur auf die Idee verfallen, den Krieger zu fragen, ob sein Umhang möglicherweise nur deswegen zerrissen war, weil sich heuer ein Paar Flügel aus seinem Rücken gebohrt hatte. Und überhaupt! An Flügeln war nichts Verwerfliches, immerhin war ein stattlicher Anteil Simkeaner von Natur aus damit ausgestattet! Wieso also stand Isimud hier und verhielt sich so heimlichtuerisch, als müsse er gerade seine erste Werwolftransformation vertuschen?!
Die Antwort lag in den Federn, die sich während des Kampfes aus dem Schwingenpaar gelöst hatten, und die nun in Isimuds Gürtel klemmten. Den grauen Federn. Noch nie zuvor hatte ein Anthron derartige Schwingen manifestiert! Anthronenflügel waren stets entweder schwarz oder weiß – wenn sie denn überhaupt zutage traten, denn in den meisten Angehörigen dieses Volkes war das Engelserbe tief verschüttet. Graue Flügel hätten Isimud unter den seinen zu einem Außenseiter gemacht, mehr noch als die schwarze Varietät, welche die dunkle Gesinnung ihres Trägers für alle sichtbar demonstrierte.
Ein letzter Seufzer, ein letzter Blick auf die im Nachtwind hin und her schlagenden Wäschstücke, dann schritt Isimud über die Wiese in Richtung seiner Hütte aus. Oder zu dem, was in deren Inneren noch heil sein mochte, denn die Götter hatten den Bewohner ja mit gleich zwei Flüchen bedacht: seinen aus der Art schlagenden Schwingen und dem kleinen Kind.

Doch als Isimud den Wohnraum betrat, fand er dort alles unverändert vor. Truhe und Bett standen an ihrem gewohnten Platz, die Werkzeuge hingen unberührt an ihren Brettern an der Wand, alle Vorräte lagen noch in den Säcken und Körben und der Wäschestapel mit Isimuds Reservekleidung befand sich in keinem schlimmeren Durcheinander als sonst auch.
Lediglich Isimuds zweiter Umhang, der Gute, für besondere Anlässe, hing nicht mehr an seinem Haken, sondern diente nun dem Goblinkind als “Höhle”, in das es sich verkrochen hatte. Das Mädchen hockte im Durchgang zwischen Wohnraum und Diele, ohne einen Ton von sich zu geben.
“Na, wunderbar”, murrte Isimud. Einem rüpelhaften Kind hätte er einfach eine Watsche verpassen können, da ja bei Goblins ohnehin das Recht des Stärkeren galt. Aber wie ging man mit einem verängstigten kleinen Mädchen um? Selbst, wenn Isimud sich an jemand um Rat hätte wenden wollen, vor dem Morgengrauen war dies völlig unmöglich möglich!
So trat der Krieger an seinen Schützling heran, und lies sich, als keine Reaktion seitens des Kindes erfolgte, neben diesem nieder.
Seufz und Doppelseufz! Wieso nur hatte das allumfassende Licht die Götter zwischen sich und die Sterblichen gesetzt! Wusste es denn nicht, dass diese ihre Spielchen mit den Menschen(artigen) trieben? Isimud meinte, dass mindestens drei Gottheiten es auf ihn abgesehen und ihm das kleine Monster geschickt hatten. Bloß half ihm diese Erkenntnis in dieser Nacht auch nicht weiter.
Dreifachseufz!
“Ha-hümpf!”
Nanu? Isimuds Kopf fuhr herum. War das nicht “sein” Goblinkind, das da ebenfalls geseufzt hatte? Äffte das kleine Biest ihn etwa nach?!
“Lass das!”
Einen kurzen Moment war Ruhe, dann folgte die Reaktion: “Lazz tazz!”
Isimud knuffte den Goblin.
Der Goblin knuffte zurück.
“He!” empörte sich der Krieger. “Soll das vielleicht die ganze Nacht so gehen?”
Erneutes Schweigen quittierte Isimuds Ausbruch. Doch in dem Bündelchen an seiner Seite arbeitete es. Schließlich, Isimud hatte sich bereits ein wenig entspannt, kommentierte das Goblinmädchen mit seinem Lieblingswort, das Isimud auf dem Weg vom Wald nach Trent schon oft gehört hatte: “Krutz!”
“Ja, richtig. Krutz und zugenäht noch mal…”
Mit verschränkten Armen saß Isimud neben dem Mädchen und wartete auf den erlösenden Weltuntergang. Doch als dieser nicht eintrat, hörte er sich, zu seiner eigenen Überraschung, zu sprechen beginnen: “In deinem Alter…”
Das Goblinmädchen drehte den Kopf unter seinem Umhang.
“…fiel meine Heimat dem Schatten anheim.”
“Krutz?”
“Oder vielleicht lag Noröm schon lange in den Klauen der Finsternis, und unser kleiner Flecken Erde war bisher davon verschont geblieben. Wie dem auch sein, als ich so klein… öhm, so groß war wie du, da war Sense.”
Es war anzunehmen, dass die Kleine kein Wort von dem verstand, was ihr Gastgeber ihr da erzählte. Doch Isimuds leise, ruhige Stimme schien ihm zu gefallen. Eines derartigen Tonfalls bedienten sich keine Goblins, viel eher entsprach Isimuds Sprachmelodie dem Rauschen der Blätter im Wind. Das der Wind nun im Inneren einer Hütte wehte und noch dazu aussah wie ein Goblin, nur eben weniger perfekt (denn Isimud war ja nicht grün und er roch auch nicht so gut wie ein Goblin!), faszinierte das Kind. Es reckte daher seine schweinartige Schnauze unter dem Umhang hervor, um dem fleischgewordenen Windgeist besser zuhören zu können.
Isimud fuhr fort:
“Wir nannten es den Schatten oder die Finsternis, wollten es nicht mit seinem richtigen Namen nennen: Das Böse. Denn wir dienten der Finsternis, und hätten wir sie als das bezeichnet, was sie war, ja, dann hätten wir zugeben müssen, Schergen des Bösen zu sein.”
Ins Erzählen vertieft, hatte sich Isimud ohne nachzudenken zurückgelehnt. Sein Rücken quittierte den Kontakt mit der Hüttenwand mit heftigem Schmerz.
“Au! Aua!” jaulte der Krieger, viel kläglicher, als es die leichten Verletzungen rechtfertigten. Doch eben diese beiden Rückenwunden erinnerten ihn wieder an seine nicht artgerechten Schwingen, die aus seinem Rücken hervorgebrochen waren.
Isimud warf sich bäuchlings auf die hölzernen Dielen seiner Behausung – ein wenig schwungvoller als empfehlenswert. Der Aufprall trieb ihm die Tränen in die Augen, so dass es wirkte, als beweine Isimud seine Lage.
Auge in Auge mit der Goblinschnauze fasste Isimud in Worte, was er keiner Menschenseele in Simkea jemals in solcher Deutlichkeit anvertraut hatte: Seine Schuld und gleichzeitig Unschuld als Sprössling eines Nekromanten, der vormittags gelernt hatte, keine bösen Schimpfwörter zu benutzen und nachts, wie man aus toten Halblingen sowohl Angelköder als auch Skelettkrieger herstellte. Es tat gut, sich einfach einmal alles von der Seele zu reden und am Ende ein befreiendes, vollständige Absolution erteilendes “Krutz!” aus dem Kindermund zu hören zu bekommen.
“Ja, und deswegen kann ich dich nicht einfach so erschlagen”, schloss Isimud seine Rede.
Das Kind schien ihm nicht böse deswegen zu sein.
“Denn vielleicht bist du ja gar nicht wirklich ein Monster.”
Die Goblinschnauze presste sich ebenso liebevoll wie feucht auf Isimuds Nase, um dann sehr schnell wieder unter dem schützenden Umhang zu verschwinden.
“Wah… ähks!”
Doch! Das was ein Monster, gar kein Zweifel!
Irgendwann graute der Morgen. Jeden einzelnen Knochen spürend und die Glieder steif von der auf dem Holzfußboden verbrachten Nacht, rappelte sich Isimud auf. Sogleich kam auch Leben in seinen Festagsumhang, genauer gesagt in das darunter befindliche Goblinmädchen.
Innerhalb der nächsten Stunde lernte Isimud, dass er sich keine großen Sorgen um eine zufällige Entdeckung seines Schützlings zu machen brauchte. Heimlichkeit schien die zweite Natur eines jungen Goblins zu sein. Die kleine “Krutz” beobachtete ganz genau, wie sich ihr Gastgeber verhielt und imitierte dieses Verhalten, jedoch stets mit einer Prise Vorsicht mehr angereichert. Bewegte sich Isimud normal, so schlich Krutz, saß er offen auf seinem Bett, so versteckte sie sich nur halb, und als sich der Krieger einmal probeweise hinter der Truhe verbarg, um Krutzens Reaktion zu sehen, da verbuddelte sich die Kleine in Isimuds Jungesellendreckwäschestapel, die daraufhin noch penetranter müffelte als zuvor.
Soweit, sogut. Krutzilein würde also weder durch eine offenstehende Tür auf die Straße tappen, noch großäugig mitten im Raum stehen bleiben, wenn Besuch eintrat. Dennoch bleib die Frage offen, wie es denn nun weitergehen sollte.
Gegen Mittag kauten Isimud und das Goblinkind um die Wette kalte Eierpfannkuchen aus des Kriegers Reiseproviant. Dann spuckten sie Kirschkerne gegen die Wand, etwas, das man den in der Öffentlichkeit scheuen Milizmann sonst nie tun sah. Schließlich sackten beide in einen leichten Mittagsschlaf, aus dem Isimud mit einer Erkenntnis erwachte:
Während der Mahlzeit hatten Anthron und Goblin dieselbe “Sprache” gesprochen. Nun musste Isimud das lediglich weiterhin tun, ergo, er musste schnellstmöglich das Goblinische erlernen!
Leider zählte das Lernen aus Büchern weder zu den Stärken noch den Vorlieben des Kriegers, doch wenn es sein musste, so würde er sich der Herausforderung eben stellen. Nur – was sollte während der Zeit, die er von hier zur Bibliothek und wieder zurück benötigte, aus dem Goblinkind werden? Isimud konnte es ja schlecht in die Truhe stopfen und dann den Deckel über ihm zuklappen!

….
…..
Oder vielleicht doch?
Vielleicht, wenn man besagten Deckel mit einem Holzkeil ein klein wenig offen hielt, so dass genügend Atemlut ins Truheninnere hinein gelangen konnte?

….
…..
KLAPP – Truhe auf.
Neugierig tappte das Goblinmädchen auf den “Windgeist” zu. Was der wohl alles aus dieser Kiste hervorkramen mochte? “Krutz? Kruuuuuuuu…”
KLAPP – Truhe zu, Goblin tot. Naja, zumindest ruhig gestellt.
“…tz?”
Türklappern.
“Tschüß, bis gleich!”
Türklappern.
“KRUTZ?! WÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHHHHHHHHHHH!!!”
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Krutz und der Windgeist

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