Cheater!!!

Meine Mutter möchte sich einen neuen Computer zulegen und diesen ans Internet hängen. Fein, denke ich mir, dann können wir ja in Zukunft Spiele zusammen spielen – und dann spreche ich das laut aus. Mutter hält das für eine gute Idee, so dass ich gleich den Namen meines derzeitigen Lieblingsbrowserspiels nenne. Mutter setzt diesen „Wie sage ich das der Kleinen jetzt diplomatisch“-Blick auf, dann meint sie, etwas leiser als normal: „Ich dachte eigentlich mehr an richtige Spiele…“

Zurück daheim krame ich an diesem Abend grummelnd meinen Game Boy hervor, den neuen, der nicht mehr Game Boy sondern Nintendo DS heißt und den die Verkäuferinnen im Elektronikmarkt schon gar nicht mehr kennen, weil sie selbst zu neu sind. In dem Gerät steckt ein Inazuma Eleven-Modul, das ich durch Harvest Moon ersetze. Außerdem läuft seit der Laufwerkreparatur wieder Sims 2 auf dem PC. Zugegeben, eine etwas merkwürdige Auswahl für jemand, der in seiner Jugend die Auffassung vertrat, nur ein Rollenspiel mit vielen Zahlen und ohne Graphik sei ein gutes Spiel, aber immerhin allesamt richtige Spiele, nix mit Flash!

Eine gute Stunde später ist das Ego noch immer am Boden, aber das Wetter im Spiel ist perfekt und meine Gurken und Erdbeeren wachsen im ihnen eigenen Tempo – was nicht dasselbe wie das mir genehme Tempo ist. Denn mittlerweile ist die zweite Erzgrube freigeschaltet und um diese (und erst recht die dritte) zu erforschen, verlasse ich mich gern auf meinen „Heiltrank“ aus Gurken und Erdbeeren.
„Ach, hätt ich doch jetzt ein wenig Premiumwährung“ schießt es mir durch den Kopf, „dann könnte ich ‚sofort ernten’ kaufen!“.

Aber in diesem Medium heißt so etwas cheaten und nicht etwa Komfortfunktion. Und obwohl ich nicht grundsätzlich gegen das Cheaten in Einzelspielertiteln bin, fehlt mir ganz einfach der nötige Code. In einem Multiplayer-Spiel waren Cheats bisher immer für mich tabu. Dachte ich jedenfalls. Aber nun trifft mich wie ein Schlag die Erkenntnis, dass all die Euro, die ich über die letzten Jahre in quietschbunte Browsergames gesteckt habe, praktisch das Recht zum Cheaten erkauft haben. Quasi eine Art digitaler Ablasshandel, die Schuld wird vom Betreiber vergeben und von der Strafe kauft man sich frei.
Hilfäää! Jetzt muss dringend eine Rechtfertigung fürs Gewissen her. Hm… wie wäre es damit? Cheatcodes schreibt man einfach ab und klopft sie dann ins Gerät. Das Geld für Premiumwährung hingegen muss verdient werden, man steckt also schon eigene Leistung ins Spiel, nur wird die Leistung nicht ingame erbracht, sondern off-site.

Na, also, geht doch!

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