Endlich Vogelspinnen!!!

Umfragen! Meinungsumfragen! Erhebung statistischer Daten! Herrlich verschachtelte Tabellen, die einem das Gefühl geben, irgendwie wichtig zu sein, eine Rolle zu spielen! Nicht zu vergessen, dass sie jeweils 7 Einheiten Premiumwährung für das Browsergame einbringen, mit dem sie verlinkt sind, also drei mehr, als ich gerade benötige…
Warum also nicht mal rasch so ein Teil ausfüllen? Im Spiel ist ohnehin gerade Warten angesagt.
In der Praxis zeigt sich rasch, dass diese „Warum eigentlich nicht“-Fragen noch immer denselben Effekt nach sich ziehen, wie zu Evas Zeiten, als statt Würmern noch ausgewachsene Schlangen im Apfelbaum herumflatterten. Vor den eigentlichen Fragebogen geschaltete Screening-Fragen vermitteln den Eindruck, unerwünschter zu sein als die gute Eva im Paradies NACH dem Sündenfall. Das wäre alles sehr bereichernd, schriebe ich gerade „Tiere des Feuers“ weiter, aber eigentlich wollte ich mir nur einen kleinen Vorteil in einem Zoospiel verschaffen.

Nachdem das Programm meine Kombination von Geschlecht, Alter, Wohnort, Ausbildung und beruflichem Status endlich verkraftet hat, ohne zum „Hilfe! Ungeeignet! Ist das überhaupt lebensfähig?“-Bildschirm zu wechseln, folgen Fragen zum Lebensstil.
Ob ich eine Diät gemacht habe? Könnte sein, ja. Eijeijei, Frau Schmidt, und welche war das wohl? Okay, die kennt er beide nicht, also ergänze ich sie händisch. Zufrieden war ich auch damit – Sakrileg! Verräterin an deinen Geschlechtsgenossen und Geschlechtgenossinnen! Wie kannst du als Frau mit einer Diät zufrieden gewesen sein?! Du Eva, du Lilith! Raus, aber nichts wie raus mit dir! Und den Adam nimmst du gleich mit!

R E S E T.

Allmählich glaube ich, nicht mehr in einer Befragung, sondern in einer geschlossenen Betaphase zu stecken, so oft hat mich der Reset heute schon begrüßt. Am Ende muss ich gleich ein paar Einheiten Premiumwährung einwerfen, um zur eigentlichen Umfrage zu gelangen?
Also wieder die Routine. Siehe da, wir schaffen es ein zweites Mal durch die Fragen zur Person.
Nächste Frage: Welchen Wagen fahren Sie?
Äh, hallo? Erde an Kommunikationswissenschaftler? Wenn ich Geld für ein Auto mit allen Nebenkosten hätte, würde ich dann einen Fragebogen ausfüllen, für dessen Beantwortung ich umgerechnet siebzig Cent erhalte?! Und bestimmte Einkommensverhältnisse, die da zur Auswahl stehen… eigentlich möchte ich Browsergames spielen, nicht die Firma kaufen. Egal, ich habe kein Auto und bin damit raus. Zurück an den Start, nächster Versuch. Ich bin versucht, einen tragischen Reinkarnationsroman zu verfassen, so oft habe ich das heute bereits erlebt.
Ehrlich währt am längsten – ich merk´s gerade.

In der aktuellen Runde unserer Quizzveranstaltung… äh, Screeningfragen wollen die Damen und Herren wissen, an welchen Krankheiten ich leide. Die Vorschläge klingen alle sehr sympathisch, denn sie erinnern an ausgestorbene Tiere und die mochte ich als Kind schon sehr gern. Nur zutreffen will nichts so richtig, was an sich ja von Vorteil, in diesem speziellen Fall allerdings ein klein wenig ärgerlich ist. Oder möglicherweise leide ich an dem ganzen Zeug, ohne es zu wissen? Latein ist lange her…
Dann, endlich, ein deutsches Wort! Genickschmerzen! Klar haben wir die. Wen zwickt es nicht ab und an mal in den Gelenken, der viel am Rechner spielt oder arbeitet? Juchuh, ich leide also an Genickschmerzen! Ich liebe meine Genickschmerzen!
Besitze ich denn auch einen Fernseher? Klar! Ist ja nicht gefragt, ob der auch genutzt wird und wenn ja, ob zum Fernsehempfang. Der GEZ ist es ja auch egal, dass das Ding primär als Katzenspielplatz und Monitor für Spielekonsolen verwendet wird. Daher ein klares: Jawoll!

Und schon sind wir drin in der Umfrage. Um ganz sicher zu gehen, dass mein TV-Gerät keine Raubkopie ist, fragt der Fragebogenersteller mich nun nach der Herkunft und dem Alter des Gerätes. Sagen wir, es stellt Bilder bereits farbig dar und belassen es dabei.
Im Folgenden tun wir etwas für unsere Gesundheit. Welche Elektronikmarken kennen wir denn so? Mit Zettel und Stift begebe ich mich auf eine Kundschaftertour durch meine Wohnung. Alles, was in irgendeiner Weise mit Strom betrieben wird, landet auf der Liste. Wow, ich kenne ja viele Marken! Die Hauskatze? Nein, eher nicht. Die versetzt einem zwar bisweilen einen Stromschlag, läuft aber sonst ziemlich öko. Also alles außer der Hauskatze in die Antwortmaske eingetragen.
Da die mehr Felder aufweist als ich Posten auf meiner Liste habe, kennen ich überdies noch die Marken „Keine weiter“, „Leider keine andere“ sowie „Nein, das waren wirklich alle.“

Uuuund den nächsten Bildschirm bitte!

Immerhin eine der von mir gesammelten Marken findet sich in der Liste wieder, aus der ich nun auswählen soll, welche ich vorhin genannt habe beziehungsweise außerdem noch kenne. Eine Menge, wie sich herausstellt, alle irgendwann schon mal gehört.
Ist das nicht phantastisch? Ein Gefühl tiefer Verbundenheit mit der Masse der Konsumenten macht sich breit. Und dann darf ich auch noch mein Menschsein bis an seine Grenzen ausloten: Ich stehe vor der Aufgabe, anhand eines einzigen gekauften Artikels die gesamte Marke bewerten zu „dürfen“. In der Regel genügt meinen Mitmenschen ein Artikel weniger, also sollte ich mit dem mir zur Verfügung stehenden Material ja locker auskommen.

Physisch und psychisch ausgelaugt lehne ich mich schließlich in meinem Chefsessel zurück. Im Tab nebenan treffen unterdessen meine 7 Premium-Edelsteinchen ein. Mit einem Klick und ein wenig Schuldbewusstsein greife ich die Gemmen ab. Ich werfe sie in den Slot im Spiel, der mir dafür eine neue Kombination von in dieser Woche von mir zu züchtenden Tieren ausspuckt.

NEEEEEIIIIN!
Jetzt soll ich keine Esel mehr züchten, sondern Riesenwürgeschlangen.
Hab ich doch auch nicht…. heul…
Und nochmal eine neue Questaufgabe zuteilen lassen kostet das Doppelte. Doppelheul!
Sorry, nö, die Queste findet ohne mich statt. In einer Woche kommt eine neue, das ist früh genug.
Oder?
Oder?!

Heimlicher Blick in den Tab mit den Umfragen…

Heraushängende Zunge…
Erhöhter Herzschlag…
Grenzdebiler Gesichtsausdruck…
Jippieh! Reiseumfrage!!!

KLICK.

Vogelspinnen 🙂
Seid fruchtbar und mehret euch, meine kleinen Flauschies! *knuddel*

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