Hat es Spaß gemacht? (Teil 2)

„Wenn zwei das gleiche tun, ist es nicht dasselbe“, sagt der Volksmund. Nun bin ich ein wenig einzelgängerischer veranlagt und konnte daher im vergangenen Jahr eine Ergänzung zu diesem Lehrsatz aufstellen: Auch wenn einer das gleiche tut, ist es nicht immer dasselbe.

Ich bin in einem Browserrollenspiel angemeldet, das eine sehr freie Welt aufweist, die dem Spieler beinahe jede Freiheit lässt (oder zumindest geschickt den Eindruck erweckt, dem wäre so). Doch während man als Spieler sein Leben in dieser Parallelwelt lebt, nutzen sich Kleidung, Hauseinrichtung und eventuelle Werkzeuge ab, Reit- und Haustiere werden ungeduldig und laufen fort u.s.w. Es ist also in gewissen Abständen notwendig, die eigene Kasse etwas aufzubessern.
Zu diesem Zweck habe ich meinen Charakter zum Bergmann ausgebildet. Es hat mir stets Spaß gemacht, ins Gebirge zu wandern, am Bach Wasser zu schöpfen und ein wenig zu angeln, dann den Kletterhaken herauszukramen und schließlich Kohle (für den Schmelzofen) und Roherz (meist Eisen) aus dem Gestein zu schlagen. Rasch entwickelte sich Bergbau zu meinem besten Skill und damit meinem Money-Maker.

Soweit, sogut. Bis zu dem Tag, an dem der Bergbauskill maximiert war und jeder weitere Klick anstatt Erz und Erfahrung nur noch Erz einbrachte. Von da an sackte das Interesse an der Tätigkeit in den Keller. Jeder neuerliche Run ins Gebirge wurde von einem „Och nö, bitte nicht schon wieder!“ begleitet. Aber da half alles nichts, ich brauchte ja das Geld. Also wieder die Hacke geschwungen!
Derselbe Handlungsablauf, dieselben Klicks, dieselben Bilder wie in meiner Lehr- und Gesellenzeit, aber anstatt Erfüllung plötzlich „Qual“. Wie konnte das sein?! Wie kann dieselbe Tätigkeit plötzlich völlig anders bewertet werden?
So fragte ich mich und verfasste in Unkenntnis der Dinge einen Forenbeitrag über das beobachtete Phänomen.
Die Community war wie immer hilfreich zur Stelle. Leider las sie höchste Nöte in meinen Post hinein. Mir wurde geraten, eine Auszeit vom Spiel zu nehmen, wenn es mich so sehr belaste und keinen Spaß mehr mache. Ein anderer Spieler riet mir zu meinem eigenen Spielstil, nämlich, nur zu tun, was mir gefiele. Ich merkte, wieder einmal auf etwas gestoßen zu sein, das alle anderen außer mir a) verstanden oder b) im Alltagstrott ausblendeten.

Bis der Groschen fiel. Hat nicht schon der alte Shakespeare festgestellt, dass eine Rose unter jedem anderen Namen ebenso lieblich duften würde? Was ursächlich daran liegt, dass die Rose keinen Namen HAT, sondern erst durch durch Benennung zur Hundsrose, Rosa, Pflanze, Blume oder was auch immer wird, je nachdem, welchen Aspekt der Bezeichnende hervorzuheben wünscht.
Die Handlung ist NICHT „Bergbautätigkeit ausführen“, wie mir nun klar ist. Sie lautet „Geld verdienen“ im Gegensatz zu „skillen, wobei als willkommener Nebeneffekt Geld generiert wird“, obwohl beides nach außen hin identisch aussieht. Das eine macht mir Spaß, das andere nicht.
Letzten Endes werde ich doch wieder ins Gebirge gehen. Im flacheren Teil gibt es einen Steinbruch, an dem man das Rohmaterial für Gussformen schlagen und diese auch gleich vor Ort herstellen kann. Dabei wird ein völlig anderes Talent (nämlich Steinmetz) geskillt, das sich aber wie Bergmann „anfühlt“.

Problem gelöst.
Die Welt entsteht im Kopf. Alles andere sind nur Klicks.

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