Schnecken im Paradiesgarten (Teil 6 von 8)

„Die Menschenmacher von Dilmun“
Kapitel 1: Schnecken im Paradiesgarten

Holzfällerlager Gisch-33.
Grenze Buranumtal (Bund der Fünfzig Namen)/Dilmun (Haus Uruk).
Am selben Tag.

Wer nach der Uhrzeit der Kolonisten lebte, nannte diese Stunde den Wechsel zwischen dem Kreis der Arbeit und dem Kreis der Ruhe. Auf dem fernen Planeten Enun, der fünfundzwanzig Stunden für eine Drehung um die eigene Achse benötigte, entsprach dieser Wechsel einer vollen Stunde, auf Ki vollzog er sich in der Spanne eines einzigen Herzschlages. Punkt zwölf Uhr Nachmittags legten die Arbeiter im Holzfällerlager Gisch-33 ihre Werkzeuge beiseite und gingen in den Feierabend.
Prometos [x] spannte die Pferde aus, um sie höchstselbst abzureiben und zu versorgen. Die Pferde waren Gemeinschaftseigentum der Dorfgemeinschaft Adapas und der ihre Dienste derzeit in Anspruch nehmende Titan für sie verantwortlich. Er würde ihre Pflege niemand anderem überlassen.
Cheva Uruk lächelte ihrem Schwager zu. Ihr Finger fuhren abwechselnd durch die Mähnen der beiden Tiere, kraulten das dünne, sandfarbene Fell, verkrampften sich aber unversehens, als eine weitere Gruppe Männer und Frauen in ihr Blickfeld geriet. Die Grauen unter den Arbeitern wurden von ihren Aufsehern nicht in den Feierabend, sondern nur in eine längere Pause entlassen. In Fußfesseln scharten sie sich um die Essensausgabe an der Küchenbaracke, um die erste und üblicherweise einzige Mahlzeit des Tages entgegenzunehmen.
Chevas Pferd schnaubte. Es schüttelte seinen Kopf und den zunehmend unangenehmeren Griff der Menschenfrau ab.
„Ich habe mich immer noch nicht an den Anblick gewöhnt“, gestand Cheva Prometos.
Dieser nickte.
„Was tut ihr dann in Haus Uruk mit Schwerverbrechern?“ mischte sich ein Holzfäller ein.
„Wir schicken sie über die Grenze“, antwortete Cheva schlagfertig. „Wo ihr diesbezüglich eine größere Phantasie habt!“
Der Annunaki lachte. Gemeinsam mit den beiden Gästen begab er sich zu einer Gruppe schwerer hölzerner Tischen am Waldrand. Sie gehörten zur Ausstattung eines derzeit nicht genutzten Holzhackplatzes, auf dem Cheva und Prometos ihre Zelte aufgeschlagen hatten.
Cheva legte ihr Schultertuch ab, breitete es auf der Sitzbank unter sich aus und lief dann zur Küche. An der Essenausgabe schritt sie an Grauen wie freien Arbeitern vorbei, betrat die Baracke durch eine Seitentür und erschien nach kurzer Zeit wieder, ein Tablett vor sich hertragend, auf dem sie drei Portionen Sahnetorte balancierte. Die süße Nachspeise trug sie zurück zu den Tischen, wo sie sie vor den beiden Männern abstellte.
Es gab keine Uschebti in Gisch-33 und dass Cheva aus diesem Grund in ihre alte Dienerinnenolle verfiel, erschien nur auf den ersten Blick so. Adapas Partnerin bewirtete Prometos und den Holzfäller nicht etwa, weil sie dazu geboren worden war, sondern weil sie die meisten der Speisen im Laufe des Tages eigenhändig zubereitet hatte. Stolz präsentierte die Frau ihr neuestes Werk, eine Kreation aus lockerem Teig, Buttercreme und Schokoladensoße. Den Männern lief das Wasser im Mund zusammen! Man merkte Chevas Koch- und Backkünsten deutlich an, dass sie während des monatelangen Weltraumfluges ihres Verlobten bei der Dame Ninki in die Lehre gegangen war. Selbst das Gefangenenessen, an diesem Tag bestehend aus dicker weißer Bohnensuppe mit Schwarzbrot und einem Krug Bier für jeden, hatte sich seit Chevas Ankunft deutlich gebessert. Es handelte sich noch immer nur um Bohnen und Brot, doch nun schmeckte man das endlich auch…

„Gerecht wäre es allerdings“, kommentierte Prometos Chevas Entgegnung an den Holzfäller, eine der wenigen Personen im Lager, die einen unbefangenen Umgang mit den Dilmunern pflegten. „Adapa muss sich ja auch mit den Abfällen unserer Zivilisation herumplagen. Das Mê-Netz ist tot über Dilmun, aber der Elektrosmog gelangt trotzdem über die Grenze.“
Der Holzfäller hob sein Tortenstück zum Mund und biss herzhaft ab. „Hm, mhm“, murmelte er dabei, was einerseits Zustimmung ausdrücken mochte, andererseits aber auch „Darüber soll´n sich mal die hohen Herrschaften die Köpfe zerbrechen“ vermitteln konnte.
„Ich bin jedenfalls dankbar dafür, dass der Dilmun nächstgelegene Netzanschluss sich hier bei uns befindet“, erklärte der Mann nach dem ersten Bissen. „Hättest du deine Bestellung aus dem Menschendorf heraus tätigen können, wir wären nie in den Genuss von Chevas Kochkunst gekommen. Wieso seid ihr eigentlich nicht direkt zur Urukwacht geritten?“
„Urukwacht?“ wiederholte Prometos. „Ich habe keine Ahnung, wie weit die dort schon sind. Uns ist nichts über die Fort- oder Rückschritte außerhalb des Reservats bekannt. Ich habe einfach den kürzesten Weg zur Grenze genommen und dann mit dem Telefon herumgesucht, bis ich das Glück hatte, einen lokalen Sendeturm zu erwischen. Klar soweit?“
Der Holzfäller begriff, dass der Titan nicht auf die Agentursiedlung angesprochen werden wollte.
„Und ich dachte tatsächlich, wir müssten bis nach Shuruppak reiten!“ erklärte Cheva lachend.
„Tja, es hat schon einen Grund, weshalb ich eine ärmellose Robe trage“, grinste Prometos.
In der Tat hatte er vor dem Ritt über die Grenze die im Reich der Sternengötter übliche, aus einer langen Robe, einem breiten Stirnband und Sandalen bestehende Tracht angelegt.
Der Holzfäller blickte verdutzt von seinem Törtchen auf. „Wie meinst du das?“
„Bevor wir nach Dilmun auswanderten“, berichtete der Titan, „haben Herrn Nergals Wachsoldaten mein Reisegepäck sehr genau unter die Lupe genommen, damit ich nichts ins Reservat schmuggle, was den Stand der Technik der Großen Affen überschreitet. Als erstes fanden sie einen in meinen Ärmel eingenähten Telefoniechip der neusten Generation. Sie zwangen mich, den Ärmel abzutrennen und waren´s zufrieden, ihre Macht ausspielen zu dürfen. Da sie nun aber davon überzeugt waren, meinen Anschluss ans Mê lahmgelegt zu haben, ist ihnen mein im Rucksack verstecktes Handtelefon überhaupt nicht mehr aufgefallen.“
Bei dem von Prometos benutzen Gerät handelte es sich noch immer um das ihm nach seiner Rückkehr aus dem Wald von Nuska Alulim ausgehändigte. Es war mehrere Enunzyklen alt, versah seinen Dienst aber noch immer zuverlässig.

„Ich hoffe nur, ich habe die richtigen Medikamente bestellt“, seufzte Prometos. „Allgemeinmedizinisch bin ich überhaupt nicht beschlagen. Ich bin nun einmal vorrangig Genetiker… wenngleich die letzten Tage über eher Stallknecht.“
„Nun, streng genommen liegst du bei uns im Bett und erleidest Fieberschübe“, sagte der Holzfäller.
„Das musste ich vorgeben, um in Shuruppak überhaupt angehört zu werden. Eine Erkrankung Adapa Uruks rechtfertigte keine Medizinlieferung nach Dilmun. Ein freier, wenngleich hausloser, Bürger der Fünfzig Namen hingegen…“
„Und, bist du das überhaupt?“ unterbrach der Annunaki. „Ich meine, wie soll sich einer von uns jemals sicher sein, den richtigen Klonbruder vor sich zu haben? Du könntest Adapa selbst sein, der sich hinter einem Ätherschild als sein eigener Klon ausgibt, um uns alle zum Narren zu halten!“
Mied der Gast deswegen die Agentursiedlung wie der Schattenlose das Ankh, um ja keine Spur in der Öffentlichkeit zu hinterlassen? Saß der Holzfäller womöglich gerade mit einem Spion am Tisch, der ihn mit seinem Äthersinn aushorchte, ohne dass er als Annunaki es auch nur merkte?
„Frag dich selbst, was die Uruker davon hätten, uns auszuspionieren“, versetzte Prometos. „Die Antwort wird ‚Nichts’ lauten. Adapa hat mit der Welt seiner Pflegeeltern abgeschlossen. Wenn du mit ihm sprichst, verhält er sich so, als hätte es diese Vergangenheit nie gegeben. Und das ist…“

Das unüberhörbare Geräusch einer im Landeanflug befindlichen Schem unterbrach die Unterhaltung der drei.
„Hast du die ganze Hospitalstadt leer gekauft?“ wunderte sich Cheva angesichts der riesigen Transportmaschine.
Prometos schüttelte den Kopf. „Mehr als die für meinen Eigenbedarf benötigten Kleinstmengen geben die Kollegen in Shuruppak nicht heraus. Selbst wenn ganz Dilmun unter einer Epidemie litte, würden sie euch nicht helfen.“
„Nun, ihr seid nicht die einzigen im Lager, die sich etwas aus der Zivilisation wünschen könnten“, erinnerte der Holzfäller die Dilmuner. „Außerdem kam in den Nachrichten etwas über Neuankömmlinge aus der Alten Welt. Einige von denen könnte es durchaus hierher verschlagen haben.“
„Neue Graue…“ flüsterte Cheva.
Sie sollte sich nicht irren. In der Maschine befanden sich auch wieder Verurteilte aus dem Dreisternsystem. Als erster jedoch sprang ein athletischer Annunaki aus dem Passagierteil, der definitiv ein farbiges Hauswappen trug. Gierig saugte der Mann die Waldluft auf, während er seine Glieder streckte.
Prometos hatte sich vorgenommen, nichts zu tun, was seinem Ansehen als Gelehrter schaden könnte, doch nun, da die dringend benötigten Grippemedikamente geliefert wurden, konnte er nicht mehr an sich halten. Adapas Bruder rannte so schnell er konnte zur Schem, um seine Lieferung abzuholen.
Nachdem man ihm ein größeres Päckchen ausgehändigt hatte, suchte der Titan den für Gisch-33 und zwei nahegelegene Grenzerdörfchen zuständigen Arzt in dessen Blockhaus auf. Er erinnerte sich noch gut an die erste Begegnung mit diesem Mann, einem Annunaki im Gleichgestelltenrang, einen echtem Hinterwäldler, der mit Prometos und Cheva die ersten Adamu seines Lebens gesehen hatte.
„Na, ist Cheva noch immer sehenswert?“ begrüßte der Titan den Mediziner.
„Das ist sie, aber ihr seid noch immer keine Sehenswürdigkeiten, die ich besichtigen darf“, gab dieser schuldbewusst schmunzelnd zurück.
„Haben wir beide nicht auch gestarrt, als wir unsere ersten richtigen Sternengötter gesehen haben?“ überlegte Cheva laut. „Keine Wachsoldaten und Erzieher, sondern die stolzen Edelmänner in ihren farbenprächtigen Roben und die ganz normalen Annunakibürger, denen niemand Beachtung schenkte, die uns aber nicht minder bestaunenswert vorkamen als ihre Herrschaften?“
Prometos fuhr herum. Er hatte nicht bemerkt, dass die Schwägerin hinter ihm eingetreten war. Als ehemalige Hausdienerin wusste sie sich in einer zivilisierten Umgebung so diskret und leise zu bewegen, wie der Dorfjäger im Wald.
„Ich weiß es nicht mehr“, antwortete er. „Ich kann mich nicht an meinen ersten Ausflug über die Mauern der Aufzuchtstation hinaus erinnern.“
Prometos glaubte sich zu erinnern, dass er sich als kleiner Junge unsicher gefühlt hatte, wann immer er die gewohnten Bahnen seines Lebens verlassen musste. Auch heute noch fühlte er sich in seinen Laboren und Büroräumen wohler als in Gesellschaft der Städter und zog den Wald der Geselligkeit in Adapas Dorf vor.
Cheva kramte in ihren Erinnerungen: „Ich weiß noch, wie stumm alle waren. Adamu, selbst im Äther aktive, sprechen viel mehr miteinander. Das hatte auf unsere Erzieher abgefärbt. In der Stadt hingegen war es für meine Begriffe sehr still. Es war einschüchternd, ich habe mir sogar Sorgen gemacht, ob die Leute dort krank wären oder irgendetwas Schreckliches passiert sei. Aber das verging schnell, denn es gab so viel zu sehen!“
Ja, dachte der Titan bei sich. Adamu reden wirklich viel…

„Wie dem auch sei…“ Prometos entnahm seinem Päckchen ein hochwirksames Präparat gegen Verdauungsstörungen sowie eine Großpackung Pflaster, welche die Symptome bei Migräne und Spannungskopfschmerzen linderten. Beides überreichte er dem Doktor.
„Hier! Dafür, dass Ihr mitgespielt habt, was meine ‚Krankheit’ angeht.“
Der Annunaki pfiff durch die Zähne. „Das hätte ich nur unter größten Mühen anfordern können“, gab er zu. „Ich könnte es bezahlen, aber es würde in Shuruppak niemals für notwendig erachtet, das Medikament hierher zu liefern. Diese Sachen gelten als Luxusgüter. Die Städter machen sich einfach keine Vorstellung davon, wie derartige ‚harmlose’ Leiden auf die Laune und damit die Produktivität drücken können.“
„Ich hingegen könnte mir solche Extras privat niemals leisten“, erwiderte Prometos. „Meine gesamte Bestellung wird aus dem Etat des Adamu – Projekts finanziert.“
Das bereitwillige Entgegenkommen der Shuruppaker verriet dem Annunakimediziner, dass die Kollegen in der Hospitalstadt es nicht nur für wahrscheinlich, sondern für sicher hielten, dass sich ihr beurlaubter Projektleiter nicht Zeit seines Lebens auf Dilmun niederlassen wollte. Gouverneur Ereschkigal war daher daran gelegen, dass der Titan in der Fremde bei bester Gesundheit blieb.
Cheva blieb die Färbung des Äthers um den Doktor herum nicht verborgen.
„Dann ist es wahr?“ fragte sie ihren Schwager. „Du kehrst nach Shuruppak zurück?“
Nach allem, was ihm von den Sternengöttern angetan worden war, wollte Prometos nicht nur unter diesen leben, sondern exakt in der Stadt und auch noch im selben Forschungshospital arbeiten, in dem er als kleines Kind gequält worden war? Natürlich, nachdem der Ausgewilderte das erste Mal in die Zivilisation zurückgekehrt war, hatte er alles getan, nur, um nicht wieder in die Wildnis geschickt zu werden. Aber nun gab es doch mit Adapas Dorf eine Alternative!
Prometos wich der Frage aus: „Heute kehre ich ersteinmal nach Dilmun zurück. Es tut mir nur für die Pferde leid. Eigentlich hätten sie Ruhe verdient, aber wir haben keine Zeit zu verlieren.“
„Die Leute hier würden unsere Pferde liebend gern gegen einen Geländewagen eintauschen, wäre das gestattet“, meinte Cheva. „Sie sind nützlich bei der Arbeit.“
„Genau wie Adamu…“

Prometos und Cheva verliesen das Blockhaus wieder. Für einen Moment standen sie nebeneinander und liesen die Blicke über das Holzfällerlager schweifen. Obwohl der Anlass kein freudiger gewesen war, hatten sie hier Freunde gefunden und nicht die schlechteste Zeit ihres Lebens verbracht. Cheva konnte nun nachvollziehen, was Prometos damit meinte, wenn er davon sprach, wie wehmütig es einem Urlauber vor der Heimreise zumute war.
Jemand tippte Cheva an. Prometos erkannte den Annunaki, der es vorhin so eilig gehabt hatte, als erster die Schem zu verlassen.
„Mein Gepäck ins Blockhaus!“ befahl der Holzfäller.
Cheva wandte sich betont langsam um.
„Wären wir beide von Adel, dies wäre ein Grund für eine Duellforderung“, erklärte sie.
Der Annunaki grinste über den seiner Meinung nach gelungenen Scherz der vermeintlichen Sklavin. Er wiederholte sein Anliegen und untermalte es zusätzlich im Äther, um ganz sicher zu gehen, dass es schleunigst ausgeführt würde.
Cheva nickte. „Ich wollte das nur noch mal kurz klarstellen“, sagte sie. Im nächsten Moment rammte die Dilmunerin dem Annunaki ihre Faust ins Gesicht. Sie gab dem Geschlagenen kurz Zeit, sich zu orientieren, bevor sie die andere Faust folgen lies.
Prometos wartete, bis der Mann sich ansatzweise von seiner Überraschung erholt hatte. Anstatt zu toben oder mit Vergeltung zu drohen, rieb er sich einfach nur die Nase und starrte Cheva ungläubig an. Was gerade geschehen war, schien vollständig über sein Verständnis der Welt hinauszugehen.
„Meine Schwägerin weiß nicht nur genau, was sie will, sie weiß vor allem auch, was sie nicht will“, erklärte Prometos. „Darf ich vorstellen? Cheva Uruk, Prinzessin von Dilmun. Im Gegensatz zu dir also sehr wohl von Stand.“
„Nur Prinzessin?“ empörte sich Adapas Frau im Scherz.
„Für eine Patriarchin fehlt es dir derzeit noch am würdevollen Gebaren, meine Liebe.“
„D… Dilmun? A… Adapa!“ ächzte der gebeutelte Annunaki.
„Fang damit an, richtig zuzuhören, dann wirst du nicht dein Leben lang Holzfäller bleiben müssen“, knurrte Prometos. „Ich bin Prometos, nicht mein Bruder Adapa. Und habe das zweifelhafte Vergnügen mit…?“
„Caishen Ubaid.“
Der Montaningenieur Caishen gehörte zu den weniger bekannten Schusarveteranen. Da er seinen Orden nicht offen trug, wurde Caishen von Prometos nicht als einer der Eridu Fünfzig erkannt. Caishens Talente waren während des missglückten ersten Kolonisierungsversuches nie gebraucht worden, doch auch er hatte sich angepasst und das seine zum Überleben der Gestrandeten beigetragen. Wie alle Schusarveteranen – und nicht wenige der jüngeren Siedler – betrachtete Caishen Ki als seine eigentliche Heimat. Selbst die Tatsache, soeben einen der einflussreichsten nichtadligen Männer des Regierungsbezirkes auf dem falschen Fuß erwischt zu haben, vermochte seine mit der Rückkehr verbundene Hochstimmung nicht zu trüben.
Cheva schmunzelte, als sie die Gefühle des Mannes empfing. Sie hatte ihm bereits verziehen.

Prometos blieb unbeeindruckt von den Gefühlen des Annunaki. Er zäumte die beiden Pferde auf, schnallte ihnen ihre Decken um und warf sich den Reiserucksack über die Schultern. Dann sagte er stumm dem letzten Flecken Zivilisation, den er auf unbestimmte Zeit zu Gesicht bekommen würde, Lebewohl, bevor er sich auf sein Reittier schwang. Die Prinzessin Uruks tat es ihm nach.
„Cheva geht. Das bedeutet: kein Frühstück mehr“, bemerkte einer der Grauen. Gemeinsam mit den soeben eingetroffenen Neuen trat er die Spätschicht im Sägewerk an, doch das sahen Adapas Verwandte schon nicht mehr.
Unterwegs nach Dilmun, an der Seite ihres ewig jungen, aber auch unendlich weisen Titanenschwagers, sagte sich Cheva, dass nun alles wieder gut würde. Ihr ebenfalls ewig jugendlicher und noch viel weiserer Partner würde wieder gesunden und die Frage nach der Behandlung von Räubern, Vergewaltigern und Mördern stellte sich in der Realität nicht, weil es all dies auf Dilmun, Adapas kleinem „Paradies auf Erden“ einfach nicht gab, geben würde oder auch nur geben konnte.

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