Zu Gast in Dilmun (Teil 2 von 7)

„Die Menschenmacher von Dilmun“
Kapitel 2: Zu Gast in Dilmun

Die Verehrung der Gäste zog sich hin. Adapas Söhne vermuteten stark, dass dabei nicht unerhebliche Mengen Bier eine Rollen spielen mussten, denn weshalb sonst sollten sie als Kinder von der kultischen Handlung ausgeschlossen bleiben? Abel fragte sich, wie man auf diese Weise lernen sollte, selbst einmal die angemessene Huldigung zu zelebrieren. Nicht, dass sie den Sternengöttern insgesamt wichtig gewesen wäre, soviel hatte der Junge bereits begriffen. Einige von ihnen schienen es zu genießen, doch im Großen und Ganzen handelte es sich um eine Sache, auf die eher die Erwachsenen im Dorf Wert legten. Doch mit eben diesen hatte man das Jahr über auszukommen, daher war es von immenser Wichtigkeit, die kultischen Handlungen gewissenhaft auszuüben.
Während er über die Erwachsenen, die Götter und die Welt im Allgemeinen nachgrübelte, schnitzte Abel geistesabwesend an einem Holzklotz herum. Das Holz nahm mal diese und mal jene Form an, wobei es kontinuierlich zusammenschrumpfte. Immer wieder spähte der Junge zur Tür des elterlichen Hauses herüber, die so geheimnisvoll verschlossen war. Als ob dieser ungewohnte Zustand nicht erst die Neugier anheizte!
Kain widmete sich unterdessen hingebungsvoll seinen Beeten im Gärtchen hinter dem elterlichen Haus. Dabei warf er dem Jüngeren mehr als einen „Vergiss es und hilf mir lieber!“ – Blick zu.

Nach gefühlten Stunden streckte eine Gottheit den Kopf aus Adapas Tür und schaute sich um. Er schien den Dilmunern begreiflich gemacht zu haben, dass auch Sternengötter ab und zu einmal hinter das Haus treten mussten, denn eine Stimme aus dem Inneren rief ihm eindeutige Richtungsangaben zu.
<Kethri Izimu!> jauchzte Abels Geist.
Izimus Blick fand den des Jungen. Abel winkte. Während der Nefilim gänzlich aus der Tür schlüpfte und sich lautlos in die „falsche“ Richtung bewegte, lief Adapas Sohn vor ihm her in Richtung des großen Stalls, in dem die Pferde als Gemeinschaftsbesitz der Dilmuner untergebracht waren, wenn sie sich nicht gerade auf der Weide austobten.
Kain beobachtete Kethris Flucht kopfschüttelnd. Er stand auf, um das von Abel zurückgelassene Holzstück zu begutachten. Obwohl der Knabe nur die Zeit hatte totschlagen wollen, war am Ende doch noch eine Gestalt unter seinen geschickten Fingern entstanden. Dem letzten, schmalen Holzstäbchen hatte Abel durch Abrunden des einen und Anspitzen des anderen Schlangenform verliehen. Zwei Augenlöcher und eine angedeutete Schuppentextur ließen das erkennen.
„Immerhin etwas“, murmelte Kain. Die kleine Schlange gefiel ihm. Er holte seinerseits einen schmalen Bohrer aus der Innentasche seines Rocks, durchbohrte das Tier, führte ein Band durch und sicherte das Figürchen mit je einer Holzperle oben und unten, bevor er es seinem Halsschmuck hinzufügte.

Derzeit befanden sich nur zwei Pferde in der Unterkunft, ein mittelgroßes und ein wahrer Riese seiner Art. Sie wirkten ausgeruht und bereit für einen Ausritt, doch würden ihre Dienste heute nicht benötigt, da die Menschen sich mit anderen Tieren, den Nichtmenschen aus dem Weltraum nämlich, beschäftigten.
Abel entnahm einer Ausrüstungskiste zwei lange Bögen, Köcher, Ersatzsehnen und eine Umhängetasche mit weiteren Kleinigkeiten, darunter Feuersteine und Zunderschwamm. Er befestigte seinen Übungsbogen in der Rückenschlaufe und reichte dem Gast einen auf seine Größe abgestimmten.
<Fertig?>
Kethri warf einen skeptischen Blick durch die offen stehende Stalltür zurück zu Abels Elternhaus. „Ich schon, aber deine Mitmenschen noch lange nicht.“
„Dann sollten wir losreiten, bevor sie dich vermissen!“
Der Junge hievte zwei Decken empor. Er schnallte sie auf die Rücken der Pferde, während Kethri erst noch das Gehörte verarbeiten musste.
„Reiten, Abel? Wie jetzt, doch nicht etwa auf einem Pferd?“
„Auf was denn sonst?“ Der Menschenjunge versuchte, Kethris Fähigkeiten als Reiter einzuschätzen. „Du kannst doch reiten, oder?“
„Ich war mal sehr gut darin, ja.“
„Ich habe das größte Tier herausgesucht, das wir im ganzen Dorf haben, damit du nicht mit den Füßen mitlaufen musst“, grinste das Kind. Es schwang sich behende auf das kleinere der beiden Pferde und lenkte es in Richtung Stalltür. Kethri bestieg das ihm zugewiesene Reittier, wenn auch zögerlich. Abel trat seinem Pferd in die Seite und preschte los…

Als er nach einer Weile kein Hufgetrappel mehr hinter sich hörte, hielt Abel an und sah sich um. Kethri näherte sich Adapas Sohn im Schritttempo, in schiefer Haltung, aber zumindest noch auf seinem Pferd sitzend.
„Es gab gewisse Startprobleme“, erklärte der Sternengott.
„Nicht nur beim Start, fürchte ich. Du hast gesagt, du könntest reiten!“
„Nun ja, das ist mittlerweile 65 Millionen Jahre her.“
Zu spät biss sich der Jäger auf seine allzu schnelle Zunge. Zwar hatten Kethri Izimus erste Reitversuche tatsächlich diese riesige Zeitpanne in der Vergangenheit stattgefunden, aber da er nun einmal kein echter Sternengott, sondern der Navigator der „Schusar“ war, durfte er nicht auf eine ebenso lange Lebensspanne zurückblicken. Für die Eridu Fünfzig waren seit ihrem ersten Besuch auf Ki nur wenige hundert Jahre vergangen.
Aus Abels kindlicher Perspektive betrachtet existierte kein Unterschied zwischen den beiden Zeitangaben, die der Erwachsene ihm über seinen Äthersinns zu vermitteln suchte. War jemand erst einmal hundert Jahre aus der Übung, fielen die restlichen 64999900 auch nicht mehr ins Gewicht!
„Seitdem hast du nie wieder auf einem Pferd gesessen? Kein Wunder, dass du´s verlernt hast.“
<Genaugenommen waren das damals nicht mal Pferde, sondern sehr große Echsen…>
<In eurer ersten Siedlung überm Meer? Ja, so weit weg gibt es bestimmt komisches Viehzeug.>

Abel lies den Jäger gänzlich zu sich aufschließen, dann jauchzte er und galoppierte schon wieder davon. „Bringt doch nichts, wenn man´s nicht gleich richtig übt!“ rief er über seine Schulter.
Kethri verfluchte die Schattenlosen, die Himmelsgötter und schließlich auch noch die Windwächter, doch es half nichts. Er musste schon versuchen, irgendwie den Anschluss zu halten. Mühsam geknüpfte Verbindungen seiner Nervenbahnen, die schon zu lange brach lagen, wollten nicht so leicht wieder anspringen. Ein derartig langes Leben wie das seines Volkes war nicht anders zu ertragen. Ungenutzte Fertigkeiten verflüchtigen sich, auch dann, wenn damit verknüpfte persönliche Erinnerungen weiterhin bestanden. Auch seine konkreten Gefühle während seiner ersten Reitlernversuche während der ersten Expedition nach Ki vermochte Kethri nicht mehr zu benennen, jedenfalls nicht zuverlässig. Er konnte einige Bilder heraufbeschwören, mehr nicht.
Wunderbar, murrte der selbst noch junge Jäger angesichts der Erkenntnis, erneut einen Lebensabschnitt hinter sich sich gelassen zu haben. Erwachsenwerden ist wirklich ganz, ganz toll…
Selbst als hier und da der letzte Funke seiner einstigen Reitkunst wieder ansprang, stellte sich Kethris Technik als völlig ungeeignet heraus. Ein Pferd war nun einmal kein Mokele.
In dem Bemühen, sich nicht unterkriegen zu lassen, griff der Nefilim mit seiner besonderen Gabe nach dem tierischen Geist seines Untersatzes:
<Wir sind hier beide in einer blöden Lage. Du müsstest mir ein klein wenig entgegenkommen, wenn wir uns nicht vor dem Kind blamieren wollen.>
Doch das Pferd verfügte über kein Konzept von „Blamage“. Noch nicht einmal ein Versagen in der Balz ging mit Beschämung, sondern allein mit einem Gefühl des Verlustes einher. Kethri stellte sich daher vor, seine Weltsicht und die des Pferdes solange wie Puzzleteile gegeneinander zu verschieben, bis die wenigen zueinander passenden Teile einrasteten. Doch damit war nichts weiter als die Kooperation des Tieres gewonnen. Die notwendigen Reitfertigkeiten vermochte es Kethri nicht so ohne weiteres zu vermitteln. Er würde sie sich nach und durch Beobachtung und eigene Übung erschließen müssen, ganz so, als verfüge er über keinerlei Vorkenntnisse.

Der wilde Ritt führte zuerst über die das Dorf umgebenden Wiesen und dann am Waldrand entlang. Als Abel es für nötig hielt, die Pferde ausruhen zu lassen, vermochte Kethri den Jungen endlich einzuholen. Die beiden ritten in gemächlicherem Tempo nebeneinander her.
„Ich will einmal einen Auerochsen vom Rücken eines Pferdes in vollem Lauf aus treffen!“ erklärte Adapas Sohn. „Prometos kann das, aber er hat keine Freude dran. Wenn man nicht mit dem Herzen dabei ist, sollte man das Jagen lassen!“
Kethri war noch damit beschäftigt, wieder zu Atem zu kommen, daher beschränkte er sich auf rein gedankliche Zustimmung. Das strengte nicht weiter an, denn Abels und seine Gefühle bewegten sich in dieser Angelegenheit im Gleichklang. Prometos konnte sich tatsächlich mit der Effizienz einer Maschine, aber eben auch nur mit den Emotionen einer solchen durch den Wald arbeiten. Auf diese Weise lies sich im Notfall das Dorf ernähren, doch es fühlte sich an, als töte der Titan seine Beute nicht, sondern ernte sie einfach. Abel verstand den Unterschied bereits sehr gut.
„Ist der schwarzhaarige Sternengott dein Sohn?“ erkundigte sich Abel unvermittelt. „Ihr seht euch ähnlich…“
„Puzurri? Um Himmelswillen, nein! Er ist der Sohn der Halbschwester meines Vaters, den wir aufnehmen mussten. Und er hat auch nicht wirklich schwarze Haare, sondern grüne. Das mit dem schwarz ist nur eine Marotte, die manche unserer Altersgenossen pflegen. Ein Modetick.“
Erleichterung durchflutete den Menschenjungen. <Dann kannst du ja weiterhin mein Lehrer bleiben>, hörte Kethri ihn denken.

Am Nachmittag desselben Tages war rein äußerlich wieder Ruhe ins Dorf eingekehrt. Zwar hatte sich die Aufregung der Menschen nicht gänzlich gelegt, immerhin spazierten die Götter unter ihnen einher, doch gingen die Dörfler nach dem Ende der Zeremonie wieder ihren Alltagsgeschäften nach. So hockte Adapa mit seinem älteren Sohn über den junge Trieben in Kains Beet und half ihm, das Unkraut zu jäten. Agaku verkostete wie versprochen mit Prometos gemeinsam das neue Bier, während Epimetes unter Chevas Aufsicht mit den Mädchen spielte. Sich mit deutlich jüngeren Kindern abzugeben, war dem heranwachsenden Annunaki weniger abhor als seinen im Dreistensystem aufwachsenden Altersgenossen. In der Vierten Welt gab es nur wenige Kinder, so dass deren altersbedingte Unterschiede nur schwach zutage traten. Man musste sich eben damit arrangieren, was man kriegen konnte. In den Augen des Adels stellte diese Erkenntnis eine Lektion dar, die ihre Untertanen gar nicht zeitig genug lernen konnten!
Puzur Amurri beobachtete das Dorfleben interessiert, wenngleich aus sicherem Abstand heraus. Solange niemand von ihm verlangte, sich an der Arbeit zu beteiligen oder etwas zu segnen, fand der Besucher seinen Rundgang recht faszinierend. Und lag es nicht schon viel zu lange zurück, dass er etwas getan hatte, weil es seinem Geist Frieden verschaffte? Ohne vorher abzuschätzen, ob es ihm zu einem Vorteil gegenüber den restlichen Adligen verhelfen mochte?
Ich sollte wieder zur See fahren, überlegte der Jüngling. Und mir erst hinterher eine Begründung einfallen lassen, in welcher Weise das Haus Qat dienlich ist.
Was immer sich die Verwandten davon versprachen, Puzur immer wieder seinem Vetter Kethri anzuempfehlen, was der Jüngere wirklich von diesem lernen konnte, das war ja wohl eindeutig, wie man sich geschickt abseilte, ohne damit Ärger heraufzubeschwören!

„Izimu ist nicht gerade der Gott des Verantwortungsbewusstseins, nicht, Vati?“ bemerkte Kain. „Mitten in der Zeremonie einfach abzuhauen! Darf sich Abel überhaupt ein Beispiel an ihm nehmen?“
„Kethri lässt oft alles hinter sich, um in den Wald zu laufen, das ist wahr. Aber er kehrt immer wieder zu den seinen zurück. So wie Abel zu uns.“
„Ja, nachdem die Arbeit bereits getan ist…“
Schweigend arbeiteten die beiden nebeneinander. Adapa stellte fest, dass sein zehnjähriger Sohn bereits fast alles gelernt hatte, was er ihm vermitteln konnte. Die „neuen“ Adamu wurden viel zu schnell erwachsen! Nun erst verstand Adapa, wie es Ninki in seiner eigenen Kindheit mit ihm selbst ergangen sein musste.
Doch nicht nur väterlicher Stolz, auch Besorgnis beherrschte den Titanen. Denn schon bald würde Kain nach einer Frau verlangen. Altersmäßig kamen dafür nur die im selben Jahr wie Kain geborene Awan oder die um ein Jahr ältere Asura infrage. Aber wenn nun weder Awan noch Asura an Kain als Lebenspartner interessiert wären? Und was sollte aus Adapas eigenen Töchtern, die sich ja ebenfalls nach Partnern sehnen würden, werden? Es gab kaum Kinder im Dorf, obwohl die Menschen nicht gerade enthaltsam lebten. Die jüngsten Dörfler waren weitaus älter als die auf Dilmun geborenen Kinder und bereits zehn Jahre Altersunterschied konnten unüberbrückbare Klüfte zwischen menschlichen Individuen aufbrechen.
Adapa blickte weit ins Land hinaus, bis sich vor seinem geistigen Auge das noch hinter dem fernen Horizont liegende Gebirge abzeichnete, das andere seiner Art ihre Heimat nannten: die freien Menschen aus Lahamus Horde, die ihn und Kethri Izimu hassten. Aus gutem Grund natürlich, doch was hatten ihnen Kain und Abel, was Lebuda und Kelimat getan? Um des Glückes seiner Kinder willen würde Adapa einen dauerhaften Frieden mit der Horde erwirken müssen, egal, was ihn kostete!
Die Welt aber bestand nicht nur aus dem Lager der Horde und Dilmun. Dazwischen erstreckte sich das Hoheitsgebiet des Bundes der Fünfzig Namen, das Reich der Kolonialherren, das zu durchqueren oder auch nur zu betreten für jeden Menschen eine Gefahr darstellte. Adapa schalt sich dafür, was er alles vor dem Auszug aus der Welt der Sternengötter nicht bedacht hatte…
Düstere Zukunftsgedanken im Kopf wälzend begab sich der Titan nach getaner Arbeit zurück ins Haus.

Kain hingegen blieb auf einer der überall im Dorf zum Ruhen und Plaudern einladenden Bänke im Schatten sitzen. Er wartete, ob er wohl Pferdgetrappel höre. Doch erst mit der untergehenden Sonne kehrten Kethri und Abel heim. An einem zwischen den beiden Pferden gespannten Holzspieß transportierten sie eine erlegte Wildsau.
<Wer hat Lust auf ein nächtliches Grillfest zu Ehren der Sternengötter?> kam es von Abel.
Kelimat streckte den Kopf aus einem Fenster des elterlichen Hauses. „Das ist eine gute Idee!“ rief sie aus. „Unter den Sternen, die ihre Heimat sind!“
„Die Sternen stehen über Ki“, erwiderte Kethri lachend. „Das ist meine Heimat, Kel!“
Neben der jüngeren Schwester erschien nun auch Lebudas Gesicht um Fenster. Das Mädchen streckte ihre Arme auf dem Sims aus, legte ihren Kopf darauf und bemerkte selbstzufrieden: „Und er ist doch ein Wilder…“
Kain rannte auf Abel zu, kaum dass dieser von seinem Pferd herabgeglitten war. Noch im Laufen schrie der Junge: „Hattest du Spaß im Wald, du kleiner Faulenzer? Es kann doch nicht solange gedauert haben, ein paar Pfeile in ein Schwein zu spicken!“
„Wir haben auch Reiten geübt, weißt du?“
Kain schubbste den Bruder. „Wie soll ich irgendetwas wissen, wenn du nie da bist!“
Abel wies einladend auf die Weide. „Für dich finden wir auch noch ein Pferdchen. Ich würde mich freuen, wenn du uns das nächste Mal begleitest!“
Doch Kain hatte ganz im Gegenteil die Absicht, den Bruder an die Scholle zu binden, was er ihm unmissverständlich sagte. In seinen Augen war ein Schlag ins Gesicht durchaus unmissverständlich…
Der Geschlagene taumelte zurück, doch Kain bedrängte ihn weiter.
„Hör auf! Hör auf! Ich will mich nicht mit dir prügeln!“
Kain stürzte sich auf den Bruder, warf ihn zu Boden und griff nach einem herumliegenden Ast, nur, um sich nächsten Moment selbst in die Luft erhoben zu fühlen. Das Kind zappelte im Griff des Jagdmeisters.
„Wenn du das noch mal mit deinem Bruder, mit irgendeinem Unbewaffneten, versuchst, binde ich dich an eine Zielscheibe!“ drohte Izimu Qat.
Das Menschenkind blickte Kethri ins Gesicht.
„Wenigstens einer, der kämpft!“
Der Jäger gab keine Antwort.
Abel rappelte sich auf, strich die Kleidung zurecht und murmelte: „Ich kämpfe gegen niemanden, den ich nicht aufesse…“
Kethri setzte Adapas Erstgeborenen probeweise vor sich auf sein Pferd. Dabei lauschte er intensiv auf den Äther.
<Hey, was soll das?>
<Will nur mal kurz was überprüfen>, erwiderte Kethri.
Er brach den Kontakt ab, als er begriff, dass für das Kind kein Unterschied zwischen den toten Beutetieren und den noch lebenden Pferden bestand. Für Kain stellten beide nur Gegenstände abgestufter Nützlichkeit dar. Das stellte an sich nichts Unerwartetes dar, weder in Kethris Kultur noch in Kains. Dennoch hinterließ sein kurzes Experiment den Nefilim enttäuscht.

Viel Zeit für gegenseitige Vorhaltungen blieb Adapas Familie nicht, denn nun sammelte sich die gesamte weitläufige Verwandtschaft um die beiden Jäger.
„Abel hat den Sternengöttern ein Schwein geopfert!“ erklärten Kelimat und Lebuda stolz jedem, der es hören oder nicht hören wollte.
Der alte Deukalion schlug sich auf die Schenkel. „Haha! Wenn er glaubt, deswegen nächstes Jahr am Kult teilnehmen zu dürfen, irrt sich euer Bruder aber gewaltig! Aber trotzdem immer her mit der Sau! – Gut gemacht, mein Junge!“
Das erste Fest an diesem Tag hatte der Dorfgemeinschaft gehört, das zweite war allein der Familie vorbehalten, obwohl Abel bereits übermütig angekündigt hatte, es für jede andere Familie wiederholen zu wollen.
Kethri ging daran, den Dorfgrill aufzubauen, Prometos kam mit einem kleinen Vorrat im Meilerofen verkohlten Holzes herbei, zweifelnd, ob es die Menge ausreiche. Agaku, sein Sohn, Pyrrhas Enkel und die beiden alten Leute selbst liefen zwischen ihrem Haus und dem Grillplatz hin und her, dabei Gewürze, Teller und natürlich ihr gutes Bier schleppend. Puzur Amurri brachte ein gebogenes Blech aus der „Windwandler“, das er über den Grill spannte, damit die aufsteigende Wärme gleich wieder auf das Fleisch zurück reflektiert wurde.
<Heute Nacht bitte keine Erzählungen, wie ihr Vogelechsen zwanzig Stunden lang in einer Grube gedünstet habt>, bat er sich von seinem Vetter aus. <Wir machen das auf die Moderne!>
Kethri nickte. Um Zeit zu sparen, schlug er vor, nur die äußeren, knusprigen Stücke direkt vom Grill zu verspeisen und aus dem Rest einen Fleischeintopf zu kochen. Doch davon wollte niemand etwas wissen. Und wenn sie bis zum Morgengrauen den Spieß drehen mussten, das Schwein sollte vollständig durchgegrillt werden! Mit jeder verstreichenden Stunde jedoch zeigten sich die Dörfler dem Vorschlag des Jägers aufgeschlossener…

Anm. 1:
Kethris erste Reise nach Ki siehe Kurzgeschichte (K)eine vollkommene Katastrophe (Teil 1 von 2) und (K)eine vollkommene Katastrophe (Teil 2 von 2)
Seine ersten Reitversuche siehe „Tiere des Feuers“ in Kapitel 2

Die Außerirdischen bedienen sich eines Wurmlochs, um die Reisezeit nach Ki abzukürzen. Später stellt sich heraus, dass es sie zwar an ihr Ziel, aber gleichzeitig auch in die Vergangenheit versetzt hat. Erst eine Manipulation stellt das Wurmloch zeitsynchron ein, so dass der Kolonisierung der Erde nun nichts mehr im Weg steht (ebenfalls in „Tiere des Feuers“, dazu habe ich jetzt allerdings gerade keinen Link parat).

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