Zu Gast in Dilmun (Teil 5 von 7)

„Die Menschenmacher von Dilmun“
Kapitel 2: Zu Gast in Dilmun

Dilmun. Gefängnis und Zuflucht des Hauses Uruk.
Im selben Sommer.

Kethri überquerte die letzte noch zum Dorf gehörige Weide. Auf einer dahinter beginnenden Wiese sammelten Adapas vier Nachkommen Arzneipflanzen. Das Wissen darum hatte ihnen Asaluhi bei seinem ersten Besuch in Dilmun hinterlassen und damit großen Eindruck hinterlassen, obwohl er als Neunankömmling auf Ki die Informationen seinerseits nur vermittels des Mê aus jenen den Siedlern zur Verfügung stehenden Datenbanken gezogen hatte. Nun wurden die entsprechenden Kenntnisse allmählich zum Allgemeingut in Dilmun.
„Ob sie es wohl wissen?“ überlegte der sechzehnjährige Kain laut, ohne ins Details zu gehen, wer denn was genau wissen sollte. Offensichtlich handelte es sich um eine Diskussion, welche die vier nicht zum ersten Mal führten.
Lebuda schüttelte den Kopf. „Ich denke nicht.“
„Aber du kannst es nicht sagen, bevor du sie nicht gefragt hast!“ behauptete der jüngere Bruder. Unwirsch wedelte Kain mit einem Büschel Wurzeln vor dem Gesicht des Bruders herum. „Abel! Wie soll ich das bitte anstellen?“
Adapas jüngerer Sohn wies auf den Besucher.
„Du nicht – aber er! Izimu kann das!“
„Hm…“
<Gute Idee, Bruder! Lass uns Kethri Izimu fragen!> Der Gedanke schien besonders der bisher stumm gebliebenen Kelimat außerordentlich gut zu gefallen.
„Und dich bleibe dabei, dass sie es nicht wissen“, erklärte Lebuda.
„Tun sie aber doch!“
„Dass ihr älter geworden seid, ist mir nicht entgangen, aber schon so alt, um wieder wie die kleinen Kinder zu streiten?“ mischte sich der Ankömmling in die Auseinandersetzung ein.
Abel legte den Kopf schief. Eine möglicherweise unangemessene Frage schien ihm auf der Zunge zu liegen. Seine Zwillingsschwester stupste ihn an.
<Los! Frag´ ihn!>

„Was hast du eigentlich in unserem Alter getan?“ erkundigte sich der jugendliche Mensch.
Abel sprach die Worte so schnell hintereinander aus, dass er beinahe wie ein Sternengott klang.
Kethri zuckte zusammen. Was sollte er den Jugendlichen antworten? Etwa, dass er in Abels Alter hart für den Weltraumflug nach Ki trainiert hatte und in Kains die kleine Pyrrha aus ihrem Heimatdorf entführt? Dieselbe Pyrrha, die nun eine alte Frau war?
Adapas Kinder waren zu Kethris Altersgenossen geworden, wie es dem natürlichen Gang der Dinge entsprach. Aber im Unterschied zu nach ihm geborenen Gleichaltrigen wie An´ti und Marduk würden diese Jugendlichen nicht mit Izimu zusammen alt werden. Der Jäger wollte ihnen diese Erkenntnis nicht offen legen. Glücklicherweise bot sich ihm ein Rettungsanker in Form der Ki-Umläufe. Sechzehn davon entsprachen etwa dem dritten Teil eines Enunzyklusses. Ein sechzehn Ki-Umläufe alter Nefilim war ein Kind, bestenfalls ein Schulanfänger, wenn seine Eltern ambitioniert waren, weshalb Kethri ehrlich Auskunft geben konnte: „Ich hörte gerade auf, Sandkuchen zu backen. Sagt ihr mir jetzt, was los ist?“
Kain nickte. „Es geht um Schmetterlinge, oder besser, um Raupen“, begann er. „Meinst du, sie wissen, dass sie einmal Flügel haben werden?“
„Du spießt sie doch sowieso auf“, neckte Lebuda ihren Zwilling. „Eine ganze Sammlung hast du schon!“
„Nur die Erwachsenen!“ verteidigte sich Adapas Ältester. „Nie eine Raupe! – Also, Sternengott, was glaubst du? Ahnt die Raupe, dass sie ihrer erbärmlichen Existenz einmal entfliehen darf? Wartet sie nur auf diesen Tag? Oder kennt sie nur das eine Leben, das Fressen und Ruhen und legt sich eines Tages zum Sterben hin, nur, um stattdessen zu einem neuen Leben zu erwachen? Flattern sie deswegen so frei umher, weil sie ihr Glück nicht fassen können? Oder ist der Schmetterling ein völlig anderes Tier als die Raupe, bar jeder Erinnerung?“
„Was denkst du selbst?“
„Ich weiß nicht. Aber es wäre grausam, wenn sie es wüssten. Raupen werden so oft gefressen oder als Angelköder verwendet, dass es besser für sie wäre, sie begriffen nicht, was sie zu verlieren haben. Dass sie hätten fliegen können…“
„Fangen wir uns einen Schmetterling und fragen ihn“, meinte Kethri leichthin.

Einen Schmertterling zu fangen… vier halberwachsene Menschen und einen ebensolchen Nefilim, so sollte man meinen, stellte eine derartige Aufgabe nicht mehr vor Probleme. Doch bereits nach den ersten vergeblichen Versuchen musste Lebuda feststellen, dass ihr das Packen der kleinen Insekten bei den Flügeln im Kindesalter leichter gefallen war.
<Wir haben das zu lange nicht mehr getan!> sendete sie unter Heiterkeit in den Äther.
<Wir bemühen uns auch nicht mehr so wie früher>, erwiderte Kelimat, ebenfalls belustigt.
Ohne seinen Kescher war der Schmertterlingssammler Kain hilfloser als die Schwestern und Abel stellte sich sogar noch ungeschickter an. Er hatte sich nämlich darauf versteift, seinen Äthersinn zu benutzen, um die Tiere anzulocken, wie es sein Vorbild Kethri Izimu tat – mit vernachlässigbarem Erfolg.
Zu Anfang schlug sich Kethri nicht wesentlich erfolgreicher als Abel. Den Kontakt zu einem Falter aufzubauen verlangte dem Nefilim einiges ab. Eine einfache Aufforderung, doch bitte eine Weile still auf seinem Finger zu sitzen, widersprach dem Wesen des Tieres so sehr, dass sie einfach nicht ankam. Kethri sah sich gezwungen, das Flatterhafte, Verspielte des Insekts in seinem eigenen Geist zu emulieren, was ihm nicht mehr so leicht fiel wie einstmals. Der sitzende Schmetterling jedoch, der darauf wartete, wieder abzuheben und dabei geruhsam mit den Flügel schlug, der ließ sich leichter greifen – sowohl mit dem Äthersinn als auch im Wortsinn.
Endlich hielt Kethri einen durch den Kontakt zu seinem Geist leicht benommene Falter in seiner hohlen Hand. <Ja, es tut mir ja wirklich leid für dich, aber mit mir haben sie das auch mal gemacht>, erklärte er. Die Reaktion des Tieres fiel ähnlich wie Ischat Devis in Ellilsberg aus. Unbeirrt davon suchte Kethri in seinem verwirrenden Insektengeist nach der Antwort auf Kains Frage.
„Sie sagt…“ begann der Jäger, doch Adapas Ältester unterbrach ihn barsch: „Lass es sein! Ich will es gar nicht wissen! Es interessiert mich nicht mehr!“
„Aber hallo! Dafür dass du jetzt trotzt habe ich den Schmetterling nicht gestört!“ empörte sich der Jäger. Sein geistiger Kontakt zu dem Tier brach ab, als ihn der Gedankeninhalt des Menschenjünglings mit voller Wucht traf: <Ich kenne die Antwort doch! Ich höre sie jeden Tag in meinem Kopf, auch ohne deine Zaubertricks, Enlilsgünstling – Fürstensohn! In eurer Welt wäre ich DU!>
Kain wandte sich abrupt ab und rannte davon.
Zurück blieben Schmetterling und Nefilim, gleichermaßen indigniert. Erneut stellte Kethri den Kontakt zu dem Tier her, um jeden Einfluss seiner eigenen Persönlichkeit, die dem Wesen nicht zu eigen war, wieder zu löschen. Bisweilen waren ihm Individuen begegnet, die es schätzen, nach einem geistigen Austausch nicht wieder vollständig in ihren artgerechten Zustand zurückversetzt zu werden, doch bildeten diese die Ausnahme. Andere Eridu Fünfzig, die eine ähnliche Begabung aufwiesen, hatten sogar von Todesfällen durch zu abrupte Kontaktaufnahmen berichtet (1). Erst nachdem sowohl der Schmetterling als auch er selbst den jeweils anderen losgelassen hatten, schaute sich Kethri nach Kain um. Er sah ihn in einiger Entfernung über die Weide laufen und dabei lose Steine vor sich her treten.

„Lass ihn sich abreagieren“, bat Kelimat. „Er ist in letzter Zeit ziemlich aufgewühlt.“
„Es ist nämlich wegen der Hochzeit!“ strahlte Lebuda.
„Hochzeit?! Wer heiratet denn?“
Abel scharrte nervös mit den Füßen. „Mein Bruder und ich“, erklärte er. „Wir… Also, jetzt nicht wir beide heiraten uns gegenseitig, sondern das war so: Awan hat mich und Asura im Winter bei etwas erwischt und dann behauptet, es sei verboten. Aber sie hat nicht gesagt, wieso oder woher sie das wisse. Als wir uns deswegen stritten, hat Vater das mitbekommen und uns erklärt, dass Awan sich irrt. Wir könnten das weitermachen, aber da wir ja sähen, welche Unruhe es bringt, wenn man es heimlich tut, sollten wir heiraten. Mit einer Lebensgefährtin sei es völlig in Ordnung. Und ich will das unbedingt weiter tun – Asura ja auch.“
„Das. Verstehe.“
Der Jäger nickte. Auch in seiner Welt drehte sich fast alles in irgendeiner Weise um „das“. Der hart arbeitende Annunaki, der mit seinen drei Frauen genügend Kinder zu zeugen trachtete, die ihn im Alter einmal unterstützen sollten, machte sich keine Vorstellung davon, welche Vielfalt das Sexualleben eines Höhergestellten annahm. Bevor die Politik das Denken und Handeln der Nefilim zu bestimmen begann, mussten sie es Kethris Einschätzung nach wilder getrieben haben als die Zwergschimpansen. Er erinnerte sich noch gut an die erste Expedition nach Ki und den Kick, den es Kulla und ihm gebracht hatte, „das“ als einfach nur zwei Jugendliche zusammen zu tun, ohne jegliche mögliche Folge ihrer Tat für die Clanspolitik mehrere hundert Jahre in der Zukunft zu bedenken. Erst nachdem sich beide auf diese Weise von jungen Adligen zu jungen Männern umdefiniert hatten, vermochte Kethri den Verkehr mit weiblichen Expeditionsteilnehmern zu genießen. Denn nun war der Schalter von „Untertanen, die ich ausnutze, verantwortungsloser Bengel!“ zu „begehrenswertes, williges Weibchen, völlig in Ordnung“ umgestellt.
„Nachdem klar war, dass unser Spiel erlaubt ist, und er keinen Ärger deswegen bekommt, hat auch Kain vor den Erwachsenen mit der Wahrheit rausgerückt, dass er es ebenfalls spielt“, führte Abel weiter aus.
„Damit war er gefangen!“ lachte Kelimat. „Und muss nun auch heiraten!“
Im Gegensatz zu ihrem frühreifen Zwillingsbruder entlockte ihr diese Aussicht nichts weiter als eine gewisse Schadenfreude.

Abel nahm das Wort wieder an sich: „Die Hochzeitsvorbereitungen halten das ganze Dorf in Atem. Aber Kain schweigt sich beharrlich darüber aus, mit wem er Vögelchen spielt.“
„Unser Bruder wird seine Braut rechtzeitig am Festtag vorstellen!“ behauptete Lebuda.
„Das wissen wir nicht“, widersprach Abel. „Was, wenn sie ihn nun gar nicht will? Ich meine, wenn es einfach nur Awan wäre, dann müssten die beiden das doch nicht geheim halten?“
„Nicht Awan?“ wunderte sich Kethri. „Ich dachte eigentlich immer, diese zwei würden zusammenkommen. Sie ähneln sich sehr.“
Kelimat verschränkte die Arme. „Wenn es aber nun doch Awan wäre und die beiden spielten bloß mit uns? Das sähe ihnen ähnlich! Uns alle einfach an der Nase herumzuführen!“
„Entweder das, oder er hat einen Mann“, meinte Kethri. „So, wie euer Bruder auf seinen Status bedacht ist, würde es mich nicht wundern, wenn Kain seine Partnerschaft mit einem Mann geheim hielte. Viele Häuser verdammen derartige Verbindungen, weil es die Aufgabe des Adels ist, Erben zu produzieren und das Volk bitteschön neue Arbeiter hervorbringen soll. Ganz so, als sei es nur eine Marotte, die man ablegt, wenn sie nur streng genug bestraft wird.“
„Nun, du hast ja selbst einen Mann“, entgegnete Lebuda grinsend. „Er ist nur hartnäckig davon überzeugt, eine Frau zu sein, weil er mit den passenden Teilen auf die Welt gekommen ist.“
Bei diesen Worten deutete die junge Frau in Richtung des Dorfes.
<Da kommt er übrigens gerade.>

Über die Weiden kamen Ninurta und Asura herbeigeschlendert. Die Nefilimprinzessin lauschte kurz auf den Äther, stellte fest, dass sich das Gespräch um Beziehungen drehte, lauschte ein wenig genauer und seufzte schließlich: „Offensichtlich stellen glückliche Partnerschaften nicht nur bei uns ein Problem dar.“
Solange sie keine offiziell geschlossene Ehe vorzuweisen hatte, durfte ihr Vater Ninurta jederzeit einen Lebensgefährten seiner Wahl anempfehlen. Nur, dass es die Adligen des Herrscherhauses nicht lange bei einer Empfehlung bewenden lassen würden.
Die Gesetze ihres Hauses standen auf Ninurtas Seite. Niemand konnte sie nicht zwingen, in eine Ehe einzuwilligen, die sie nicht wünschte. Doch der Gedanke an ein Leben, in dem sie jeden Tag einen Kampf gegen die Wünsche der Familie würde ausfechten müssen, ein Leben, in dem die beiden Dinge, die ihr am meisten bedeuteten, ihr Clan und ihr Mann, einander plötzlich ausschlossen, lies Ninurta Alulim schaudern. Ach, wenn sich ihre Sorgen doch mit einem einzigen Speerstoß vernichten ließen! Die passende Waffe führte ihr Kethri ja bereits bei sich.

Mit den Worten „Hier ist nichts moderneres, als in Dilmun hergestellt werden kann, erlaubt“ überreichte der Jäger Ninurta einen der beiden Speere, die er die ganze Zeit über auf dem Rücken getragen hatte. Auch Abel führte seinen Bogen bei sich und trug einen Köcher am Gürtel, während Asura lediglich mit Umhängetasche und Jagdmesser ausgestattet war.
Ninurta prüfte die Spitze der ihr anvertrauten Waffe. Sie bestand im Gegensatz zu den von Abel verwendeten Pfeilspitzen nicht aus Knochen oder Stein, sondern kaltgehämmertem Kupfer. „Tatsächlich“, erkannte sie. „Stand der Technik: Dilmun! Nicht Eabzu. Kommst du mit derartiger Hochtechnologie eigentlich zurecht, Kez?“
„Ich schätze das Gewicht und damit die Flugbahn noch oft genug falsch ein“, gab der Jäger zur Antwort.
Lebuda zog sich von der Gruppe zurück, als sich die Präsenzen Abels, Asuras und Kethris nun in Vorfreude auf den bevorstehenden gemeinschaftlichen Jagdausflug verbanden. Ninurta konnte diesem Zeitvertreib nicht viel abgewinnen. Was sie allerdings in wilde Freude versetzte, war der Gedanke daran, etwas – irgendetwas, selbst Dinge, die sie hasste! – mit ihrem Lebensgefährten zu unternehmen.
Kelimat, die der Jagd normalerweise aufgeschlossen gegenüberstand, folgte der älteren Schwester zurück ins Dorf. Bei dem anstehenden Ausflug drehte es sich nicht darum, Wild zu erlegen, auch nicht, Dilmuns Äcker und Weiden von ungebetenen Mitessern zu befreien, sondern einzig um etwas, das ihr und Lebuda noch verschlossen blieb: das Beisammensein von Lebensgefährten. Kelimat warf Lebuda einen prüfenden Blick zu. Dass sie selbst sich ihrer und ihrer Lieder genug war, bedeutete ja nicht, dass die ältere Schwester ebenso empfand. Würde Lebuda nicht sehr einsam sein, wenn demnächst nicht nur ihr Zwilling, sondern auch Abel eine Partnerschaft eingingen?
<Wie könnte ich einsam sein, wenn du und alle Helden deiner Geschichten mir bleiben?> schmunzelte Lebuda. Sie hielt den geistigen Kontakt eine Weile offen, um der jüngeren Schwester Zugang zu ihren Gefühlen zu gewähren. Erleichtert stellte Kelimat fest, dass keinerlei Betrübnis in Lebudas Geist wohnte.

Unterdessen liesen Kethri, Ninurta, Abel und Asura das Grasland hinter sich und drangen in bewaldetes Gebiet vor. Die Bäume standen hier dichter als in dem Revier, in dem Kethri und Abel sonst ihre Ausritte unternahmen. Er wirkte regelrecht düster, dennoch fand der aufmerksam Suchende auch in diesem Wald mehr als nur Nahrung, die es zu erbeuten galt. Es gab Lichtungen mit farbenprächtigen Blumen und Abel kannte einen tief im Inneren verborgenen See, an dessen Ufer die Gruppe am Ende des Tages ihr Lager aufzuschlagen gedachte. Asura kannte diesen Platz bereits, nun sollten Kethri und Ninurta ihn ebenfalls kennen lernen.
„Wir müssen nicht gleich morgen früh wieder von dort aufbrechen“, erklärte Abel den Gästen. „Wenn wir einen Unterschlupf errichten, lässt es sich den ganzen Sommer am See aushalten.“
<So viel Zeit haben wir leider nicht…>
Hundertmal so alt wie Abel und Asura mochten die Sternengötter werden, doch einen Sommer an einem Waldsee zu verträumen, dafür hatten sie „keine Zeit“.
<Schon gut, ist ja nicht eure Schuld>, kam es von Asura. In einer Gemeinschaft hatte eben jeder seine Pflichten zu erledigen, da würden die Gäste in der ihren keine Ausnahme darstellen.

Ninurtas anfängliche Scheu gegenüber den beiden jungen Menschen, die einer völlig anderen Kultur als der ihren entstammten, verflog rasch. Die vier befanden sich in einem vergleichbaren Alter, sie waren jung und wussten das auch. Jeder verstand genau, wie der jeweils andere fühlte, weil er oder sie diese Gefühle in sich selbst wiederfand. Diese geteilten Gefühle ließen die Unterschiede zwischen ihren Körpern unwesentlich, ja, lächerlich, erscheinen.
Nachdem sie eine Zeitlang aus Übermut nebeneinander hergelaufen waren und ausgerechnet Kethri der Jagdmeister beim Überspringen eines Wasserlaufes ein unfreiwilliges Bad genommen hatte, waren über ihr Lachen darüber auch die ihnen anerzogenen Unterschiede, die über die körperlichen hinausgingen, aus den Köpfen der Jugendlichen verschwunden. Waren es die von den Eridu Fünfzig vielbeschworenen tierischen Instinkte, welche nun die Oberhand gewannen oder noch ältere Strukturen, aus deren Sicht selbst eine zweite Körperzelle überflüssige Hochtechnologie darstellte? Wen in der kleinen Gruppe interessierte die Beantwortung dieser Frage in diesem Moment? Sie ließen sich in ihre Jugend fallen und dann vergaßen sie auch noch, dass sie jung waren und wechselten in einen alterslosen Zustand, der für immer anhalten sollte.

(1)… Schakan in  (K)eine vollkommene Katastrophe (Teil 1 von 2)

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