Dudley Evans und der Stein der Weisen

Eine „Harry Potter“ fanfiction
aus dem Paralleluniversum von „Der 11. Geburtstag“ und „The sorting of Dudley Evans“

Dudley Evans war wohl der einzige Junge in Großbrittanien, der die Sommerferien hasste. Genaugenommen konnte er auch der Schule nichts abgewinnen, doch der Sommer war schlimmer. Auf der Schule musste Dudley seinen schrecklichen Cousin ertragen, daheim im Ligusterweg kamen noch seine Pflegeeltern hinzu. Die Pflegeeltern, welche sich im vergangen Sommer als seine biologischen herausgestellt hatten, die aber nichts von ihm wissen wollten, weil… nun, das war kompliziert zu erklären und Dudley durfte ohnehin nicht darüber sprechen, wollte er sich nicht des Bruchs internationaler Abkommen schuldig machen. Dudley Evans als Geheimnisträger erster Klasse! Im ersten Moment klang das ziemlich cool, in der Praxis allerdings war nichts Beneidenswertes mehr daran.

Dudley rümpfte die Nase. Und dann gleich nochmal, denn aus dem Küchenfenster drangen an diesem Morgen finstere, niederhöllische Schwaden, die entsprechend stanken.
„Harry kocht“, meinte Petunia Dursley, wobei ihre Stimme einen leicht zittrigen Anklang aufwies. Harrys Tante versuchte, ihre Nervosität durch den Stolz eines Familienmitgliedes zu verscheuchen: „Er ist wirklich begabt!“
„Ja, das sagt Professor Snape auch immer“, erwiderte Dursley.
Den Lieblingsneffen zu loben, war im Hause Dursley nie verkehrt. Die abgöttische Liebe der Dursleys zu Harry schien wahrhaftig nichts ins Wanken zu bringen zu sein – stellte also so ziemlich das exakte Gegenteil zu ihrem Verhältnis zu Dudley dar.
Petunia nickte zu den Worten des Jungen. „Wer hätte gedacht, dass der sich mal so rausmacht! Ich kannte ihn noch als triefnasigen Burschen, der mit mit krummen Rücken ging und sich nicht anständig zu kleiden wusste.“
Harry? Wie jetzt? Dudley blinzelte verwirrt, bevor ihm aufging, dass der Professor gemeint sein musste. Petunia kannte demnach Harrys Hauslehrer von früher? In der Zaubererwelt schien echt jeder mit jedem verwandt oder anderweitig verbunden zu sein!
Denn darin bestand das große Geheimnis, in das die Dursleys eingeweiht waren: Die Existenz von Hexen und Magiern, einer zweiten Menschenspezies auf diesem Planeten, die mit dem Homo sapiens fruchtbare Nachkommen erzeugte, so dass man sich nie sicher sein konnte, ob die eine Abstammungslinie nicht bisweilen ein Kind hervorbringen mochte, das eigentlich der anderen zugehörig war. Gerade die Evans-Familie schien auf eine starke Durchmischung mit Zauberern zurückzublicken. Innerhalb zweier Generationen hatte sie gleich drei der angeblich so selten Magier hervorgebracht: Petunias Schwester Lily, deren Sohn Harry (der allerdings einen Zauberer zum Vater hatte) und natürlich Dudley.

Aus diesem Grund wusste jeder im Haus, dass Harry Potter mitnichten „kochte“, wie man es den Nachbarn sagte, sondern Zaubergebräue herstellte. Ein ganzes Arsenal einfacher Tränke hatte sich der Junge seit Ferienbeginn bereits zusammengekocht. Das Zaubern außerhalb der Schule war einem Zaubererkind, zumal einem in der Muggelwelt lebenden, eigentlich streng verboten. Doch die einfachen Mixturen, die einem elfjährigen Schulanfänger zu Gebote standen, erforderten keinen aktiven Zauberstabeinsatz, weshalb Harrys Gekoche keine Alarmglocken im Ministerium zum Bimmeln brachte.
Das war wiedereinmal so typisch, fand Dudley! Harry Potter, der Junge, der alles durfte und stets seinen Willen bekam, führte sogar die Regierung erfolgreich an der Nase herum. Auch wenn der Preis dafür darin bestand, in der Nachbarschaft als völlig unfähiger Koch dazustehen.
In Wirklichkeit waren die schwarzen Rauchwolken, in die sich nun rote und purpurfarbene Streifen mischten, völlig normal für einen im Entstehen begriffenen Trank des Geschäftssinnes. Dieses kleine Detail wiederum galt es, auch vor denjenigen zu verschweigen, die in die Existenz der Parallwelt der Hexen und Zauberer eingeweiht waren.
Niemand sprach darüber. Am besten dachte man nicht einmal daran, also dachte Dudley besonders heftig daran. Sogleich jedoch erschrak der Junge, denn in der Zaubererwelt war seine Art des stummen Protestes gefährlich. Es gab Menschen, die konnten in den Geist anderer hinein sehen. Vielleicht nicht gerade in den eines Dursley… aber war Dudley denn einer? Er wohnte ihnen, teilte ihre Gene und war ihnen doch so verhasst wie Onkel James es gewesen war, jener Zaubereronkel, an den Dudley keine Erinnerungen mehr hatte. Wären James und Tante Lily nicht bei einem Autounfall ums Leben gekommen, hätten sie ihren Neffen vielleicht bei sich aufgenommen. Bisweilen malte sich Dudley aus, wie sein Leben bei Onkel und Tante wohl ausgesehen hätte. Doch es war müßig, darüber zu spekulieren, denn es war nun einmal anders gekommen.

Typisch Zauberer! dachte der Junge bei sich. Verwandelten Tischblumen in Zuckerwatte und zähmten Drachen, aber einen Wagen vermochten sie nicht zu steuern, ohne sich dabei in die Hölle zu befördern. Dorthin gehörte Dudley der Meinung seiner Eltern nach auch. Bis es soweit war, hatten sie ihn zumindest schon einmal in den Garten verbannt.
Seit seiner Rückkehr aus Hogwarts zeltete Dudley im Garten seiner Eltern. Den Nachbarn erklärten die Dursleys, dass Dudley an einer schweren Phobie gegen Innenräume leide und das Jahr über ein entsprechendes Sanatorium mit angeschlossener Schule besuchte. Das brachte dem Jungen ebenso mitleidige wie abgestoßenen Blicke ein. In den Augen der Leute aus der Nachbarschaft war Dudley nun also der Freak, der er für die Dursleys schon immer gewesen war.
Wieso hatte sich aber auch ausgerechnet seine Magie frühzeitig manifestieren müssen, Harrys hingegen nicht?! Sowohl die Potters als auch die Dursleys hatten geglaubt, der Junge mit seiner auffälligen Stirnnarbe sei so unmagisch wie nur irgend möglich. Welche Überraschung, als dann doch ein zweiter Brief aus Hogwarts den Ligusterweg erreichte – und welche Enttäuschung für Dudley, als sich herausstellte, dass die Zustellung kein Irrtum war. Noch im Zauberstabgeschäft in der Winkelgasse hatte Dudley gehofft, dass sein Cousin lediglich aufgrund seiner Verwandtschaft mit James auf der Studentenliste gelandet war. Und die Dursleys hatten das insgeheim auch. Doch als dann hielt stolz einen Zauberstab in den Händen gehalten hatte, der noch dazu das Zwillingsmodell zu dem eines mächtigen Schwarzkünstlers darstellte, da hatten sich Vernon und Petunia Dursley vor Stolz nicht wieder eingekriegt! Gegen elf Jahre ihrer Affenliebe zu Harry kam offenbar auch die Eröffnung seiner Zaubermacht nicht an.

Vernon Dursley plagten derzeit andere Sorgen als der Saustall, in den sein Neffe die Küche verwandelte. Denn Harry war zwar ein ordentlicher, allerdings bei weitem kein begabter Zaubertrankbrauer. Aber den Abdämpfen konnte man wenigstens an der frischen Luft entkommen – der Geräuschbelästigung im Garten leider weniger.
Bereits mit Beginn der Dämmerung und den ganzen Vormittag hindurch ertönte ein nervenzerfetzendes „Ärr-Ärr“ von irgendwo aus dem Ligusterweg. Vernon hätte gern gewusst, welcher seiner Nachbarn da eine Metallsäge betrieb – und das auch noch in großem Stil! Es musste sich um eine Werkstatt handeln, doch sah man weit und breit keine.
„Sicher Schwarzarbeit in irgendeinem Keller“, knurrte Vernon vor sich hin. „Von Einwanderern, Arbeitslosen oder Linken! Von arbeitslosen eingewanderten Linken, das sind die Schlimmsten…“
Das einzige, das in Vernons Augen noch unheilbar krimineller war, schien sein eigener Sohn zu sein. Als Dudley auf den Gartenteich zugeschlendert kam, erinnerte sich der Mann an etwas und packte den Jungen bei dessen Schulter.
„Dieser komische Kauz hat dir doch letzten Sommer ein Haustier geschenkt“, fuhr Vernon Dudley übergangslos an. „Was ist aus dem geworden? Streunt das hier irgendwo rum?“
„Ja“, erwiderte der Junge.
„Aha. Und, was ist es nun? Lass dir doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen!“
Dudley schien ebenfalls irritiert von der Kreissäge zu sein, denn er geriet ins Stottern, als er antwortete: „Er, uhm, er fängt Mäuse. An Ratten geht er nicht ran, vor denen hat er Angst. Ab und zu holt er sich auch mal eine Biene… aber er tut echt nichts!“
„Ach so, so ein Katzenvieh“, nickte Vernon. „Wie sieht es aus?“
„Hellbraun, mit dunkleren Streifen.“
Ein wenig enttäuscht zog Vernon die Stirn kraus. Harry schaffte es, sich einen beinahe einzigartigen Zauberstab zu unterwerfen, bei Dudley aber reichte es noch nicht einmal zu einer interessanten Katze, sondern lediglich zu einem Feld-Wald-Wiesen Exemplar?“
„Gut, dann wissen wir ja jetzt Bescheid.“ Vernon wollte bereits wieder ins Haus gehen, wo Harrys Experimente mittlerweile zu ihrem Ende kamen. Doch er besann sich noch einmal und schärfte Dudley ein, seinen Mäusefänger ja nicht auf die guten Möbel springen zu lassen. Am besten, er blieb ganz aus dem Haus!
Genau wie ich, dachte Dudley verstimmt.
„Er ist auch viel lieber an der frischen Luft!“ erklärte er trotzig. „Und Springen tut er überhaupt nur im Notfall, er hat nämlich hinten kürzere Beine!“
Diese Behauptung entlockte Vernon ein abfälliges Lachen. Selbst das Zaubertier seines Freak-Sohns war also eine Missgeburt! Nein, besser, er schob diesen Gedanken weit von sich. In seinem Neffen Harry hatte er einen viel besseren Sohn!

Dudley blieb am Gartenteich stehen, nachdem sein Vater ins Haus gegangen war. So unauffällig wie möglich suchte er das Ufer allein mit den Augen ab, bis sein Blick auf eine Gruppe künstlicher Schilfhalme fiel. Zwischen denen saß seine australische Aga-Kröte, die ihr überzeugtes „Ärr-ärr!“ hören lies. Dudleys hatte nicht gelogen: Sein Zaubertier fing tatsächlich Mäuse und wie allen seinen Artgenossen mit deren typischen verkürzten Hinterläufen war ihm das Schleichen angenehmer als das Hüpfen. Nur war es eben keine Katze, sondern eine zweiundzwanzig Zentimeter lange Kröte, die besonders Petunia niemals in ihrem Garten toleriert hätte.
„Psst, Gilderoy!“ zischte Dudley. „Sei leise, du!“
„Ärr?“
Der Kröterich schaute seinen Menschenfreund fragend an. Er war doch bereit, eine Familie zu gründen! Ärr-Ärr und Ack-ack nochmal, das musste der Junge doch verstehen?!
Die heftigen Regenfälle der vergangenen Wochen hatten in dem Tier einen außerplanmäßigen Fortpflanzungsschub ausgelöst. Nun musste Gilderoy nur noch der Damenwelt vermitteln, dass ein passendes Gewässer sowie seine vortrefflichen Gene zu ihrer Verfügung standen.
Dudley befürchtete allerdings, dass lediglich das Inventar eines mittelgroßen Baumarktes bei dem Metallsägen-Geräusch dahinschmelzen würde.
„Na, mach nur, aber erwarte nicht, dass jemand kommt“, erklärte er dem Tier. „Deine Art gibt’s hier in England nicht. Außer als schicke Geldbörse!“
Dudley beugte sich zu seinem Kröterich herab.
„Und das machen die Dursleys auch aus dir, wenn sie dich entdecken!“ versuchte er ihn zu warnen.
Anderserseits, wenn sich doch ein Aga-Krötenweibchen im Ligusterweg einstellte, so konnte man sich sicher sein, dass es einem anderen Zauberer gehörte. Das war aufregend!

Nun ja, NICHT ALLE anderen Zauberer waren ihm gleich willkommen, wie der Junge sich sogleich eingestehen musste. Die beiden, die gerade am Teichufer wie aus dem Nichts erschienen, am allerwenigsten.
„Whoa!“entfuhr es dem Jüngeren des Duos, wobei er es fertig brachte, selbst seinen Schreckensschrei gelangweilt und übersättigt wirken zu lassen. Das blasierte kleine Kerlchen nannte sich Draco Malfoy und war der beste Freund Harrys auf Hogwarts. Daher griff Dudley rasch zu, um zu verhindern, dass Draco im Teich landete. Etwas unsanfter als dem anderen Jungen lieb war, schob Dudley ihn aufs Trockene.
„Menno, Evans, sieh dich doch vor!“ rügte der solcherart Gerettete. „Jetzt ist meine neue Weste verrutscht und die ist Handarbeit!“
„Contenance, Draco“, rügte der zweite Ankömmling. Es handelte sich um Dracos Vater, der selbst mitten im Ligusterweg, der Hochburg der Spießigkeit, nicht auf seine Zauberergewandung verzichten wollte. Genaugenommen machte ihn das zu einem eben solchen Spießer wie die örtlichen Muggel, fand Dudley.
„Nun, Junge, wir sind eingetroffen, wie du ja siehst“, wandte sich Mr. Malfoy and Dudley. „Melde uns deinen Herrschaften!“

Wie befohlen sauste Dudley davon, um die Besucher anzukündigen. Harry allerdings kam ihm lautstark zuvor – er musste die Ankunft der Malfoys bereits durchs Küchenfenster beobachtet haben. Während Vernon und Petunia ihre guten Sachen zurechtrückten, immerhin musste man vor diesen Hinterwäldlern die eigene Kultiviertheit betonen, hüpfte Harry Potter wie ein Floh um sie herum.
„Die Malfoys sind da“, murmelte Dudley nur.
„Zu Fuß?“ Petunia runzelte die Stirn. Zu Fuß ging man in ihren Kreisen nur, wenn man sehen und gesehen werden wollte. Doch eben das sollten die Malfoys ja nicht!
„Zu, äh, Erscheinen aus dem Nichts?“ versuchte sich Dudley an einer Antwort.
„Es ist mir egal, wie du es nennst“, erwiderte Vernon. „Lucius wollte seinen Einfluss geltend machen, unser Haus ans Flohnetzwerk anzuschließen! Wieso hat er das versäumt? Ich muss ihn darauf ansprechen. Wenn man sich nicht um jede Kleinigkeit selbst kümmert… mit England geht es bergab. Bergab, sage ich!“
Auch Petunia setzte keine besonders glückliche Miene auf. Sie hoffte seit Harrys Einschulung, dass Nachrichtenaustausch von Kamin zu Kamin endlich die Eulenpost ersetzen würde.

Harrys Gedanken hingegen befanden sich gänzlich woanders. Er warf seine Drachenlederschürze ab und rannte so rußig wie er war in den Flur.
„Draco, komm, das musst du sehen, was mir Onkel Vernon aus London mitgebracht hat!“ bestürmte der Zauberschüler seinen Freund. „Ganz neu, gerade auf den Markt gekommen!“
Draco runzelte die Stirn. „Aber der ist doch noch ein bis zwei Jahre in der Entwicklung?“
„Was, wie? Wovon redest du?“
„Na, der Feuerblitz! Der neue Rennbesen, der bald…“
„Quatsch, Besen!“ Harry winkte ab. „Etwas anderes.“
„Aw, Mann“, brummte Draco. „Ich dachte wirklich, deine Alten hätten da was gedeichselt. Dass wir vor allen anderen einen Feuerblitz bekämen.“
„Das bekommt ihr doch auch“, knurrte Dudley, der sich nun auch im Flur eingefunden hatte. „Nur eben nicht sofort.“
Draco schüttelte den Kopf. „Also, in unserem Haus dürfte sich das Personal nicht derartige Reden erlauben“, bemerkte er.
Personal! Dudley schnaubte! Also ob er der Dienstmann der Dursleys wäre! Aber das war der Junge nun einmal nicht. Zum Personal zu gehören wäre einem gesellschaftlichen Aufstieg gleichgekommen. Er, Dudley, nahm im Hause Dursley viel eher den Status eines Sklaven ein, genau wie der Hauself, den die Malfoys Harry letztes Weihnachten geschenkt hatten.

Und da war er auch schon, mit seinen Hängeohren, dem gleich einen Wappenrock um den Leib gebundenen Geschirrtuch mit dem schottischen Angusrind-Aufdruck und dem treudoofen Blick. Ein bißchen weniger von sowohl treu als auch doof und Dudley hätte sehr gut mit diesem Elfen auskommen können. So aber stellte „Dobby“ nur ein weiteres Objekt dar, mit dem ihn die Dursleys quälten. Keinen Moment ließen sie aus, zu betonen, um wieviel folgsamer und geschickter der Hauself gegenüber Dudley war. Vom ersten Tag an hatte Dobby daher auch im Schrank unter der Treppe wohnen dürfen, Dudleys Schrank, dem daraufhin nur das Zelt im Garten blieb. Im Sommer genügte das Petunias Meinung nach vollauf, auch wenn es einmal regnete, und im Winter blieb Dudley ja in Hogwarts.
So waren also Hauself und Haussklave kostengünstig und ihrem Wert in den Augen der Dursleys entsprechend untergebracht.

Derzeit hockte Dobby auf der Treppe, durch das Geländer verborgen vor der Sicht der Besucher. Die Erwachsenen waren ohnehin in den Austausch der Begrüßungshöflichkeiten verstrickt und Harry verschwand bald mit Draco im Schlepp in einem seiner beiden Zimmer, wo die beiden das neu erschienene „Frogger“ auf Harrys Heimcomputer spielten. Dudley hörte Draco lauthals behaupten, dass er wisse, wie man Gilderoy auch so zum Hüpfen bringe. Im neuen Schuljahr wolle er es Harry vorführen.
Dudley schauderte, doch er durfte sich nichts anmerken lassen. Von ihm wurde erwartet, Mr. Malfoy den Umhang abzunehmen, diesen zusammen mit Dracos auf einen Kleiderhaken zu hängen und anschließend gleich noch Dracos Straßenschuhe zu putzen.
Die vom Uferschlamm befleckten Treter in der Hand trottete Dudley zum Schrank unter der Treppe wo auch das Schuhputzzeug aufbewahrt wurde. Kaum geriet er in Dobbys Reichweite, da zerrte er dieser bereits an Dudleys ärmellosen Hemd. Das ohnehin bereits straff um den Körper liegende, viel zu kurze Kleidungsstück gab nach. Dudley bezweifelte, den klaffenden Riss noch einmal flicken zu können.
„Oh, nein“, stöhnte der Junge.
„Sie müssen mir in der Küche helfen, Master Dudley“, sprach der Hauself auf ihn ein. „Und ziehen Sie sich etwas über, SO können Sie nachher nicht bei Tisch aufwarten. Sie wissen doch, dass Hauselfen nicht gesehen werden sollten! Das schickt sich nicht!“
Dudley schüttelte den Kopf, während er die Schuhe abstellte und dem Elfen in die Küche folgte. Dobby sprach schon genau wie Petunia: „Du weißt doch, Dudley! Wie oft soll ich dir noch sagen, Dudley? Hast du denn schon wieder vergessen, Dudley?!“

Nach der ausführlichen Begrüßungszeremonie machten es sich Lucius Malfoy und die Dursleys im Wohnzimmer bequem. Dudley musste leichte Häppchenplatten und Aperetifs servieren, während Dobby sich bemühte in der endlich von Harry freigegebenen Küche in aller Eile das Mittagessen zuzubereiten.
Lucius Malfoy und seine Eltern! Dudley hätte sich niemals träumen lassen, wie gut sich diese drei verstanden. Obwohl sie so unterschiedlich wie nur irgend möglich wirkten, teilten sie doch dieselbe Lebenseinstellung. Die Unterschiede der beidden Männer betrafen eher ihre Kenntnisse: Vernon war der bessere Buchhalter und Geschäftsmann, Lucius wusste sich besser vor Gericht und in der Politik zu behaupten.
„Wir beide wissen doch“, betonte Mr. Malfoy gerade, „dass die Frage nach Zauberer oder nicht keine Rolle spielt. Die Welt teilt sich in Gewinner und Verlierer: jene, die sie gestalten und die Herde!“
Dudley vermutete stark, dass jeder den anderen nur ausnutzte, dabei aber insgeheim verachtete. Oder vielleicht nocht nicht einmal insgeheim… Dudley war dermaßen an offene Herabsetzung gewöhnt, dass er die subtile Version nicht erkannte, sie im Gegenteil sehr zu Dracos Belustigung oft genug für Nettigkeit hielt.
Jedenfalls profitierten sowohl die Dursleys als auch die Malfoys von ihrer „Einigkeit“, solange diese anhielt.
Ihr Gespräch kam nun auf das Geheimhaltungsgesetz und wie es das Geschäft störte. Eine vereinte Welt, in der jeder seinen Platz kannte, so lautete ihr erklärtes Ziel. Was das bedeutete, darüber musste Dudley selbst mit seinen nicht ganz zwölf Jahren nicht lange rätseln: Vernon wünschte sich Zauberersklaven und Lucius Muggelsklaven.
Sehr zur Beunruhigung des Jungen sprachen die beiden Männer nicht nur über ihre Pläne, das Geheimhaltungsgesetz zu kippen, nein, sie besaßen auch den Einfluss beziehungsweise die finanziellen Mittel, sich reelle Chancen für ihr Vorhaben auszurechnen. Mr. Malfoy als gewissermaßen Hochadliger der Zaubererwelt in noch viel stärkerem Maße als der Unternehmer Dursley, obwohl sich das wohl ausglich, seit Vernon über den Stein der Weisen verfügte…

„Und? Haben Sie ihn nun?“
Wie er dies fragte, erinnerte Mr. Malfoy Dudley an seinen Gilderoy, wenn dieser schmackhaften Insekten mit den Augen folgte, um im Falle einer Schwäche blitzschnell mit der Zunge zuzuschlagen und sich seine Beute einzuverleiben.
Petunis lächelte nur unverbindlich und Vernon winkte ab.
„Würde ich dann noch im Ligusterweg wohnen, anstatt mir eine Residenz auf dem Land errichten zu lassen?“
„Wer weiß. Vielleicht bestehen ja gute Gründe, diesen Ort nicht aufzugeben…“
Lucius lies sich sein Glas erneut von Dudley füllen. Dabei taxierte der Zauberer die Innenausstattung des Bürgerhauses im Ligusterweg. Ihm, der in von Magie instandgehaltenen Erbstücken früherer Zauberergenerationen lebte, fiel es schwer, moderne Einrichtung einzuschätzen. Zumal im Haushalt eines Muggels! Lucius vermochte Harrys brandneue Intellivision-Spielkonsole nicht von einem Vorkriegsradio zu unterscheiden oder einzuschätzen ob der Schallplattenspieler nun die billigere Alternative zum Grammophon darstellte oder das edlere Modell.
Doch selbst WENN Vernon den Stein besäße… oder auch nur ein Bruchstück davon, denn offiziell galt der Stein ja als zerstört… würde er seinen Reichtum unvorsichtigerweise zur Schau stellen oder es bei einem ausgedehnten Jahresurlaub auf St. Barth belassen?
Ein Blick in den Geist der Muggel hätte Aufschluss geben können, wären nicht Vernon und Petunia dermaßen resistent dagegen, dass der Versuch, sie auf diese Weise auszupionieren, einem Legilimenten handfeste Kopfschmerzen bescherte. Lucius Malfoy musste das an diesem Tag auf die harte Tour erfahren. Bereits das stumme und gestenlose Wirken der Formel verlangte dem Mann einiges ab. Doch kaum war der Kontakt zu Vernons Geist hergestellt, da hörte Lucius mit einem Mal statisches Rauschen in seinem Kopf und sah das Testbild eines dieser Muggelferntheater-Geräte vor seinem inneren Auge. Das Rauschen verstärkte sich – stammte es am Ende etwa von Lucius’ eigenem Blut? Allein die Befürchtung, dem könne so sein, ließ das Herz des Zauberers etwas schneller schlagen.
Bewahre die Kontrolle, Lucius, du Narr! schalt sich der Zauberer.
Doch wie sollte ihm das gelingen, wenn er sich bewusst machte, dass es sich nur um den passiven Widerstand eines sich seines Angriffs nicht bewussten Vernon handelte, der ihm da entgegen schlug? Wenn bereits der bloße geistige Kontakt Schweißausbrüche, Spannungskopfschmerz und erhöhte Pulsfrequenz auslöste, was würde dann erst die aktive Verteidigung dieses Muggels mit Lucius’ Herz-Kreislaufsystem anstellen?!
Es führte kein Weg um die Erkenntnis herum: Das Ehepaar Dursley war nicht nur unmagisch, sondern regelrecht antimagisch! Wie schwarze Löcher saugten sie jegliche Magie auf, um sie anschließend unter immensem Druck zu vernichten.

Auch Dudley hatte sich seine gesamte Kindheit über im Schwerefeld dieser kosmischen Monster gefangen gefühlt, die ihre Opfer unendlich langsam in sich hinein zogen. Manche von einem Schwarzen Loch eingefangenen Teilchen blieben auf ewig im Aktionsradius gefangen, zwar nicht dem Tod geweiht, doch unfähig zu entkommen. Für ein solches Opfer blieb die Zeit stehen und die Tatsache, noch am Leben zu sein, verkam zu einer Formsache.
Die Dursleys selbst schienen sich dessen durchaus bewusst zu sein, nur betrachteten sie sich nicht als Weltraummonster, sondern als eine Art Waschmaschine, die Dudley von seiner „Befleckung“ als Zauberer hatte reinigen sollen. Anpassung oder Vernichtung, wie es der Evolution entsprach. Dudleys Hauslehrerin, Professor Sprout, kannte sich auf diesem Gebiet aus. Sie besaß akademische Titel in Botanik und Ökologie, ein Wissensschatz, den sie an entsprechend interessierte Schüler weitergab. Nicht an Erstklässler natürlich, denn wer an einer Zauberschule aufgenommen wurde, der wollte in erster Linie endlich den Zauberstab schwingen dürfen anstatt sich mit der Theorie hinter allem Leben, die Magie eingeschlossen, abzuplagen. Dudley stellte diesbezüglich keine Ausnahme dar, dennoch lächelte er versonnen, als er an seine Hauslehrerin in Hogwarts dachte.
„Was grinst du so grenzdebil?!“ herrschte Vernon den Jungen an und Petunia ergänzte: „Man muss sich ja schämen mit dir vor unserem Besuch!“ Die Hausherrin schüttelte den Kopf. „Er ist so völlig anders als Harry“, seufzte sie.
Nun grinste auch Lucius Malfoy, und zwar wie eine Venusfliegenfalle. „Ja, Ihr Harry, auf den dürfen Sie stolz sein!“

Lucius brach sein sinnloses Spionieren ab. Wozu sich Gedanken über die beiden Muggel machen, wenn er sich ebenso auf den kleinen Harry konzentrieren konnte? Das Kind subtil im Sinne der eigenen Familie formen? Harry Potter war eine Schlüsselfigur im Intrigenspiel der Zauberer und es schien Lucius nicht übertrieben zu sagen, dass, wer Harry Potter beherrschte, der absoluten Macht einen guten Schritt näher gekommen war. Den entscheidenden Schritt an eine Position, die Macht und Stabilität versprach, nicht den einen weiter, der in den Abgrund führte, wie es… wie es… wie es jemand, den man in der Zaubererwelt nur ungern beim Namen nannte, zugestoßen war. Was hatte all seine Macht Sie-wissen-schon-wem, gebracht? Am Ende war er der Narr gewesen, besiegt von augenscheinlich einem Kleinkind, in Wahrheit jedoch von seinen eigenen Ambitionen. Vieles, was den letztendlichen Fall Sie-wissen-schon-wessen betraf, blieb unklar, wurde gar mystifiziert. Sicher war nur eines: Harry Potter hatte in irgendeiner Weise dazu beigetragen, von daher konnte es gewiss nicht schaden, sich ein wenig mit ihm zu… beschäftigen.
So hieß die neue Hoffnung des rechten Flügels der Zaubererwelt also Harry Potter, auch wenn er sich dessen noch nicht einmal ansatzweise bewusst zu sein schien. Nun, das Knäblein mochte sich als ein ebensolcher höhenflugbegieriger Idiot wie Sie-wissen-schon-wer herausstellen.
Lucius musste innerlich über sein unfreiwilliges Wortspiel angesichts Harrys Status als Sucher im Slytherin Quidditch Team lachen. Um sein kurzes Unwohlsein zu überspielen, lies er einen Witz folgen, den auch die Muggel verstanden. Petunia kicherte verhalten, Vernon aber lachte dröhnend. Ja, fand Lucius, gut lachen hatten Männer wie Vernon und er, die das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verloren! Es lebte sich gut im Schatten der Mächtigen, die aufstiegen und fielen. Sie wurden von ihren Ministern überlebt, die das System für den nächsten Tyrannen am Laufen hielten und die Ideologie mehr oder minder subtil an die Folgegeneration weitergaben. Ganz oben standen sie nie, doch auf ihrem Platz in der zweiten Reihe lachten sie sich ins Fäustchen.

Überhaupt wurde an diesem Tag viel gelacht und gescherzt. Als das Mittagessen aufgetragen wurde, nahmen auch der frisch gewaschene Harry, Draco in seinen mittlerweile wieder blank polierten Schuhen und Dudley am Tisch Platz. Letzterem fiel es zu, jederzeit etwas zuzureichen oder Nachschläge aufzutun. Oft genug musste Dudley dabei aufspringen und um den Tisch eilen, da er nicht weit genug greifen konnte, um die gegenüberliegende Kante zu erreichen.
„Haha, die Arme müssen noch wachsen!“ lachte Vernon angesichts des Anblicks.
Dudley zuckte zusammen. Erwartete der Mann etwa, dass er auch noch als Erwachsener sein Diener bleiben würde? Würde Vernon auf sein Recht als biologischer Vater pochen, gar einen Entmündigungsantrag stellen, um seinen Zauberersohn bis zu seinem Lebensende schikanieren zu können? Und ihn anschließend an Harry quasi weitervererben?
Es begann sich ja bereits abzuzeichnen:
Auf Hogwarts hatte Dudley keine Freunde. Die anderen Hufflepuffs fanden, dass er sich viel zu oft bei den Slytherins „herumtrieb“. Aber welche Wahl blieb dem Jungen denn? Harry würde den Dursleys schreiben, wenn er nicht spurte, und die würden ausfällig werden. Zum einen, weil Dudley seinen Cousin vernachlässigte und zum anderen wegen der Posteule auf dem Fenstersims.
Also hing Dudley auf der Schule vornehmlich mit Harry und Draco herum, als Teil deren Gefolges. Crabbe und Goyle nahmen Leibwächterfunktion ein und er, Evans, war der Butler. Das war ganz okay, solange es Crabbe und Goyle nicht langweilig wurde und sie ihre Scherze mit Dudley trieben. Doch selbst diese beiden Plagegeister stellten eine Verbesserung gegenüber den Dursleys dar, so dass sich Dudley nach und nach in sein Schicksal fügte.
Ab und zu schlug er zurück, wenn er meinte, dass es Harry amüsieren würde. Wie im Januar, als die anderen nach den Weihnachtsferien zurück auf die Schule gekommen waren und Dudley Gregory Goyle Harrys neuen Walkman über die Ohren gestülpt hatte. Das Zaubererkind war angesichts dieser beinahe außerirdischen Technologie vor Schreck in Ohnmacht gefallen.

Die fünf Kumpane nannten sich „Freunde“ und gemeinsam hatten sie ein verrücktes Abenteuer bestanden, das Dudley auch noch eingerührt hatte. Das warf er sich heute noch vor. Aber wer hätte denn auch ahnen können, dass ausgerechnet Harry den Stein der Weisen aus dem verzauberten Spiegel herausfischen würde! Weil er einfach nur verhindern wollte, dass Dudley den Stein bekäme, ihn aber nicht notwendigerweise selbst behalten.
Dudley hatte in dem Stein seine Freiheit gesehen: Unendlich viel Gold um den Dursleys zu entkommen und ein sorgenfreies Leben zu führen. Nun aber war der Stein zerstört und einen der Splitter nutzte Harry als Katalysator, um den Trank des Geschäftssinnes zu brauen, jene Mixtur, die das Verständnis einer Person auf diesem Gebiet expotentiell verstärkte. Dudley nützte dieser Trank rein gar nichts, da er über keinerlei Geschäftssinn oder – erfahrung verfügte. Er hätte ihn problemlos stehlen können, konnte aber keinen Nutzen daraus ziehen.
Ohne einen Gönner wie Mr. Malfoy oder ein Artefakt wie den Stein der Weisen aber, so meinte Dudley, war seine Lage aussichtslos. Fleiß und Nettigkeit, neben deren Gerechtigkeitsempfinden die Haupttugenden eines Hufflepuff, befreiten niemand aus der Sklaverei, nein, die führten eher tiefer hinein. Dudley konnte sich dabei beobachten, wie er immer mehr resignierte. Er musste etwas tun und zwar am besten sofort! Irgendeine Form des Aufbegehrens… am besten eine kleine, unauffällige, die nur er verstand und daher keine negativen Folgen nach sich zog…
Dem Jungen wurde übel angesichts seiner Gedankengänge.

„Du bist grün um die Nase, Junge“, erkannte Petunia. „Am besten, du schnappst eine Nase frische Luft. Nimm das Geschirr mit, wir melden uns, wenn du mit dem Nachtisch kommen kannst!“
Heftiger als dem Porzellan gut tat, stapelte Dudley die Teller übereinander, mit denen er anschließend in die Küche abzog. Dort stemmte er seine Hände auf den Fenstersims und lauschte Gilderoys beharrlichem „Ärr-Ärr!“. Der arme Kerl konnte nicht anders, er war wie jedes Tier ein Sklave seiner Instinkte. Er, Dudley, hingegen, hatte doch die Wahl, was er mit seinem Leben anstellen wollte! Er musste sich nur dazu durchringen, etwas zu tun.
Harrys „Hier steht noch eine versiffte Soßenschale!“ holte Dudley in die Wirklichkeit zurück. Er kehrte ins Esszimmer zurück, um sich der Schale anzunehmen.
Dort berichtete Draco gerade, untermalt von zahlreichen Zwischenbemerkungen und ausschweifenden Gesten Harrys, von irgendeinem Streich, den die beiden einem anderen Kind auf Hogwarts gespielt hatten.
Dudley hielt kurz inne. Ein auf dem Tisch liegendes Objekt zog die Aufmerksamkeit des Jungen in seinen Bann. Es handelte sich um ein abgegriffenes Tagebuch oder einen Kalender. Hatte ihn nicht Mr. Malfoy vorhin dort abgelegt? Das Buch unterschied sich so deutlich von den hochwertigen Protzobjekten, mit denen sich die Malfoys sonst umgaben, dass Dudley sofort meinte, es müsse eine besondere Bewandtnis damit auf sich haben. Sicher hielt der Kerl seine Pläne darin fest!
Mit gesenktem Kopf sondierte Dudley seine Umgebung. Die fünf Personen am Tisch blendeten seine Existenz bereits wieder aus, wie stets, wenn er seiner Funktion ohne Fehl nachkam. So bemerkten sie nicht einmal, dass Dudley etwas umständlicher nach dem letzten abzuräumenden Glasuntersetzer griff. Allenfalls hätte es sie zu einer kurzen, unfreundlichen Bemerkung hingerissen, nicht aber zu Misstrauen. Doch der Junge war alles andere als ungeschickt. Diesen Eindruck hatte er nur deshalb bis zur Perfektion kultiviert, um seine Fingerspiele zu kaschieren. Daher sah niemand, dass zusammen mit der schmutzigen Soßenschale, dem Untersetzer, einer fettigen Stoffserviette und zwei Gabeln auch Mr. Malfoys Kalender in der Küche verschwand.

Mit einem ungewohnt forschen „Harrys Zimmer ist noch nicht aufgeräumt, mach dich an die Arbeit!“ vertrieb Dudley den Hauselfen aus der Küche. Dann legte er seine neustes Beutstück auf den Tisch und betrachtete es andächtig.
Bisher hatte Dudley stets nur gestohlen, um sich zu holen, was ihm die Welt vorenthielt. Zuweilen waren das so grundlegende Dinge wie Nahrung oder Seife gewesen, dann wiederum kleine Schätze, die von einer Murmel bis zu einem aufziehbaren Auto reichten. An diesem Tag hatte Dudley seine Diebeskünste erstmalig für einen höheren Zweck einsetzen können. Vor ihm lagen Lucius Malfoys Pläne zur… ja, zu was eigentlich? Mit Sicherheit zu irgendetwas wirklich Üblem!
Dudleys Herz klopfte bis in den Hals hinein, als er das Tagebuch aufschlug. Sein Blick fiel auf die erste Seite – leer. Er blätterte um – leer.
Wieviele Seiten der Junge auch aufschlug, von vorn bis binten starrten ihn unbeschriebene, weiße Seiten an. Dudley blätterte vor und zurück, drehte das Buch in alle Richtungen, ohne dass sich etwas änderte. Dann fiel sein Blick auf die vorgedruckten Einträge. Das Tagebuch fungierte auch als Kalender, doch die Wochentage passten nicht zum Datum. Dieser Kalender, so begriff Dudley, war uralt! Das erklärte wohl auch seinen leicht mitgenommenen Zustand, der allerdings immer noch besser war, als man es von einem dreißig Jahre alten Buch erwarten sollte.
Dudley war sich sicher, dass es sich um ein gut gepflegtes Sammlerstück handelte, das einiges wert war. Vielleicht hatte es Mr. Malfoy ja Harry geschenkt, während Dudley nicht hingesehen hatte? Ha! Nun gehörte es Dudley und der wusste schon genau, was er damit anfangen würde! Nicht es für viel Geld verkaufen, das ihm Dursleys als seine Vormunde ohnehin unter dem Vorwand es bis zur Volljährigkeit zu verwalten, abnehmen würden. Nein, er würde das Schlimmste damit anstellen, das sich ein Sammler vorstellen konnte: Es benutzen!

Das Buch hinter seinem Körper versteckt, rannte Dudley in den Garten, wo er in seinem Zelt verschwand. Dort stopfte er das Tagebuch zwischen deine Schulsachen. Ein Lesezeichen markierte den ersten Schultag. Sobald er in Hogwarts war, wollte Dudley beginnen Tagebuch zu führen und damit den Wert dieses Sammlerstückes für immer zerstören.
„Ärr!“ protestierte Gilderoy, als sein Menschenfreund seinen Kopf wieder aus dem Zelt steckte. Was hatte der hier wie ein Besengter herumzurennen?!
„Jaja, schon gut, wir finden schon ein Date für dich“, lachte Dudley. „Bist du eventuell einer Kreuzkröte gegenüber aufgeschlossen?“
Gilderoy schien das zu bedenken, denn er schwieg. Vielleicht erlahmte seine Liebeslust auch nur allmählich am Ende dieses anstrengenden Vormittags.
Dudley aber lag auf dem Rücken am Teichufer, folgte den Wolken mit den Augen und freute sich auf das neue Schuljahr.

*

Bevor ich hier weiterschreibe, muss ich erstmal ein wenig Worldbuilding betreiben, gerade, was Harry/Voldemort/Horcruxe/Antimagier angeht, aber auch bezüglich Rons und Hermines Rollen in dieser Welt.

In der Zwischenzeit:

Hier geht’s zu den Abenteuern eines Zauberschülers in einer Fantasy-Welt:
https://steffinicoleschmidt.wordpress.com/category/magie-des-geistes/

Und der Anfang dieser von X-Men inspirierten Story wurde mal mit Harry Potter verglichen:
https://steffinicoleschmidt.wordpress.com/category/elfspawn/

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