Ein bißchen am Leben (Teil 5 von 5)

„Die Menschenmacher von Dilmun“,
Kapitel 10

Urukwacht.
Letzter Knoten des Mê-Netzes vor Dilmun.

Eine Mu, schwarz wie der Nachthimmel und blau wie die Unendlichkeit, hielt Kurs auf das Land Dilmun. Ihr Pilot ignorierte sämtliche Vorschriften, die ihm den Überflug über die Sonderrechtszone verboten. In einem so hoffnungsvoll wie übertrieben als „Flugleitzentrum“ bezeichneten Raum in der Militärbasis wiederholte ein Angehöriger der Wachtruppen ein uns andere Mal: „Fremde Mu, identifiziert Euch! Das ist die letzte Aufforderung, bevor wir Euch als feindlich einstufen müssen!“
<Wie oft hast du das jetzt bereits wiederholt?> erkundigte sich der angesichts des Problems in die Leitstelle gerufene Fähnrich Hursak.
<Die Aufforderung zur Identifikation? Dreimal, Herr.>
Der Offizier nickte. Dann beugte er sich über seinen Untergebenen und sprach deutlich ins Mikrofon: „Windwandler, du leitest jetzt umgehend den Landeanflug ein oder Urukwacht wird es für dich tun. Auf die sanfte Weise über das Mê oder …“
„Er fliegt nicht mit dem Mê verbunden, Herr. Sonst hätten wir doch seine Kennung bereits!“
„…oder in der Weise, in der wir ausgebildet wurden. Hast du das verstanden, Izimu?!“
„Leitstelle Urukwacht, hier Windwandler. Landeanflug wird eingeleitet – aber nur, weil ich keinen Kratzer im Lack riskieren möchte.“
Belustigt schüttelte Hursak den Kopf.
„Woher wusstet Ihr, dass…“ begann der diensthabende Funker.
„Dass es die ‚Windwandler’ ist, die sich da über unseren Köpfen nach Dilmun zu schleichen versucht? Für diese Schlussfolgerung braucht man nun wirklich kein Dingirra Zisi zu sein!“

„Also gut, bringen wir es hinter uns“, schnarrte Kethri den Hauptmann der Urukwacht an, als sie sich wenig später auf dem kleinen Flugfeld gegenüberstanden. „Izimu Qat, unterwegs von Freistadt Shuruppak nach Dilmun, Domäne Uruk. Der Flug ist dienstlich und ich habe keine Passagiere an Bord.“
„Soso, keine Passagiere“, wiederholte der Hauptmann mit einem Seitenblick auf den Mann und die Frau, die seine Soldaten aus der Mu geholt hatten.
„Das ist Fracht“, winkte Kethri ab. „Siehst du doch selbst! Ein Grauer und ein Versuchstier.“
„Das ist Cheva Uruk!“ erkannte der Nefilimadlige. „Ich erinnere mich an sie. Ich war damals Kapitän des Schiffes der Auswanderer… Mhm, und der andere?“
„Varuna 2513/2260“ verkündete eine Zeichenfolge, die auf dem grauen Sträflingswappen des Annunaki über dem heraldischen Symbol zu lesen war. „Chinun“ stand unter dem Wappenbild, welches den Nachnamen ja bereits verriet.
„Chevas Leibdiener“, erklärte Kethri, ohne mit auch nur einer Wimper zu zucken.
Seine Worte lösten große Heiterkeit unter den Männern aus Urukwacht aus! Leibdiener einer Sklavin! Dieser Chinun musste sich äußerst unbeliebt bei seinen Aufsehehern gemacht haben, um sich für dieses Amt „qualifiziert“ zu haben!
Kethri Izimu nutze die gelöste Stimmung, um sich seinem Artgenossen anzuvertrauen: „Wir sind die Fußabtreter des hohen Adels“, sprach er zu dem Offizier, welcher dem Hauses Dubnina angehörte. „Müssen wir uns da das Leben auch noch gegenseitig schwer machen? Hör zu, die Dame Aruru wünscht nicht, dass jedermann sofort sieht, wie weit das Klonkind Drei-Null – Programm bereits fortgeschritten ist. Die Rücküberführung Chevas nach Uruk sollte in aller Diskretion vonstatten gehen. Shuruppak möchte keine unnötige Aufmerksamkeit erregen.“
„Das hättest du mit einer ordnungsgemäßen Landung und ein paar klärenden Worten einfacher erreichen können. So erweckte es den Eindruck, jemand wolle sich nach Uruk einschleichen.“
„Ja, da hast du vermutlich recht“, gestand Kethri angemessen zerknirscht. „Das war dumm von mir.“
Eine gute Lüge, so stand es in den Schulbüchern, würde auch im Äther nicht als solche zu überführen sein. Enki hatte seinem jungen Freund eine weiterführende Erkenntnis vermittelt: Am klügsten richtete man es so ein, dass sein Gegenüber gar nicht erst daran dachte, den Äther zu Rate zu ziehen. Und die restlichen fünf Sinne am besten noch weniger.
Der Hauptmann nahm sich vor, ein ernstes Wort mit einem Verwandten Kethris zu sprechen, stellte dessen Worte jedoch nicht weiter in Zweifel.

Erleichtert bestiegen die drei wieder die „Windwandler“, um die letzte Etappe ihrer Flucht in Angriff zu nehmen.
„Tut mir leid, euch beide vorhin so abwertend bezeichnet zu haben“, wandte sich Kethri an Chinun, nachdem die „Windwandler“ sich wieder in der Luft befand. „Aber für seine vorzeitige Entlassung muss man eben einiges erdulden.“
„Vorzeitige Entlassung?“ schnaubte der Osepa-Angehörige. „Ihr wisst genau, dass die Minen auf mich warten!“
<Nein wusste ich nicht. War das nicht nur eine Drohung?>
<Wahrgemacht.>
„Nun, in diesem Fall lass die Minen ruhig warten, bis sie schwarz werden und Kohle prodzieren! Enlil ist der Meinung, dass Hawila im Laufe der Jahre bereits genug Zugeständnisse von ihm erhalten hat. Ich werde nach unserer Rückkehr schon dafür sorgen, dass das Goldland nicht auch noch dich erhält.“
Chinuns Verstand hielt das für völlig unmöglich. Ein winziger Teil des Mannes allerdings vertraute dem Nefilim, nicht nur selbst daran zu glauben, was er da sagte, sondern tatsächlich möglich machen zu können, was er versprach.
„Ich habe es auf ehrliche Weise versucht, meine Zeit abzusitzen“, erklärte Chinun schmunzelnd. „Obwohl ich unter Verbrechern lebte. Hätte ich gewusst, dass ich lediglich sechs Annunaki vergiften muss, um freizukommen, hätte ich sicher nicht so lange gewartet!“
Cheva lachte, als wäre damit alles gesagt, Kethri hingegen sondierte den Geist des Verurteilten mit seinem Äthersinn.
<Du bist kein in Ungnade gefallener Höfling>, erkannte er.
<Doch, das schon. Dafür wurde ich jedenfalls nach Ki deportiert. Aber die wahren Verbrechen, für dich ich hier gebüßt habe, für die hat mich kein Gericht jemals verurteilt. Für diese Taten habe ich Prämien erhalten, Izimu.>
<Geht mir ähnlich>, kommentierte der Nefilim diese Eröffnung.
Für eine Weile ließen die drei Personen im Cockpit der Mu ihre Gedanken einfach nur treiben. Dann wurde es Zeit, die Maschine erneut in senkrechte Lage zu bringen. Kethri lies die „Windwandler“ auf einem brachliegenden Acker nahe des Dorfes niedergehen.

*

Der Empfang in Adapas Gemeinde unterschied sich nur in Details von dem in Urukwacht. Unter der Annahme, dass eine ungeschützte Kehle einer kupfernen Pfeilspitze ebenso wenig entgegenzusetzen hatte wie einer Kugel oder einem Kriegslaser, hatte Paschuku Uruk seine Gefolgsleute um den Landepunkt der Mu herum verteilt. Sie lauerten in Bäumen, hinter Felsbrocken und in Ackerfurchen, während der Pilot die Leiter herabstieg. Ihre Bewaffnung bestand aus Kurzbögen sowie einem Beil als Seitenwaffe bei den Schützen, einem leichten Speer zu einem Holzschild bei deren Bedeckung. Helme oder gar Körperrüstungen sah Kethri nicht, lediglich hier und da hatte sich der eine oder andere Kämpfer Lederstreifen um den Unterarm gewickelt. Uruks Miliz war nicht auf ausgedehnte Mann-zu-Mann-Begegnungen sondern Fernkampf und kurze, rasche Vorstöße ausgerichtet.
Es gab keinen unter Paschukus Soldaten, den der Jagdmeister nicht mit seinen sechs Sinnen sofort entdeckt hätte, dennoch bestand keine Veranlassung, sich über Uruks neue Armee lustig zu machen. Die Titanen und Menschen beschützten ihre Welt mit allem, was sie aufzubieten hatten. Und sie hatten Recht mit ihrer Annahme – „Allessehend“ zu sein wie Izimu brachte noch lange keine Unverwundbarkeit mit sich. Es bedeutete nur, dass der Jagdmeister vorher erkennen würde, welcher der Männer aus der Übermacht ihn letztendlich niederstrecken würde.

Paschuku erhob seine Stimme: „Wenn das nicht der erste dieser diskutierten Kontrollbesuche ist, den wir zu tolerieren haben, dann wartet ihr genau hier, bis wir Adapa darüber informiert haben, wer gelandet ist. Und wenn er euch dann nicht sehen möchte, verschwindet ihr sofort wieder von unserem Land. Von unserem im Vertrag von Uruk zugesicherten Land!“
„Adapa kennt mich“, erklärte der Pilot. „Mein Name ist Kethri Izimu Qat. Da oben in meiner Maschine warten seine Frau und sein Sohn gemeinsam mit Chevas Diener.“
Paschuku nickte knapp. Er schnippte mit den Fingern nach seiner Stellvertreterin.
„Asura – gibst du bitte Adapa Bescheid?“
Die junge Frau schüttelte den Kopf.
„Erst will ich wissen, was das bedeutet, dass Adapas Sohn als Passagier in der Maschine säße! Meinst du damit Kain? Oder Abels… Abels Körper…?“
„Asura, Verdammnis, das wird kompliziert!“ stöhnte Kethri. „Nein, Kain wird nicht wieder nach Dilmun zurückkehren. Aber Abel… schon… Ich würde mich besser fühlen, es nur einmal erklären zu müssen. Der ganzen Familie. Und überhaupt wird es Cheva sicher leichter als mir fallen, denn es war immerhin ihre Idee.“
Doch Asura lies sich nicht abwimmeln: „Kethri! Was ist mit meinem Mann?“
„Er lebt. In gewisser Weise. Ich kann nicht sagen, ob ihr als Mann und Frau zusammenleben könnt, aber soweit es uns Sternengöttern möglich war, haben wir Abel wieder zum Leben erweckt.“
Asura schüttelte verständnislos ihr langes Haar. Kethris Eröffnung schien nicht ganz die gewünschte Wirkung erzielt zu haben.
„Vielleicht hole ich doch besser Adapa“, entschied die Menschenfrau.
Paschuku trat an Kethris Seite.
„Dein Name war Kethrizimu?“ vergewisserte er sich.
Der Jäger nickte.
„Kethri, du willst mir jetzt aber nicht sagen, dass ihr den Toten in Shuruppak geklont habt?“
„Wir haben… Cheva wollte… ich weiß selbst nicht, was ich von der Idee halte!“
Der Titan nickte. „Dann beweist du Vernunft. Gut so!“

Chinun und Cheva verliesen nun ebenfalls die Mu. Paschuku musterte beide eindringlich, ob sie wohl eine Gefahr darstellen mochten. Dass selbst Cheva nicht von dieser Prüfung ausgeschlossen wurde, kommentierte Chinun mit anerkennenden Gefühlen im Äther. Kethri wiederum erheiterte Chevas indignierten Blick angesichts der Begutachtung. Paschuku registrierte dies alles und zog seine eigenen Schlussfolgerungen.
Die Ankömmlinge musste nicht lange auf das Dorfoberhaupt warten.
Adapa lies seinen neuen Kriegern keine Chance, sich zu einer Ehrenwache zu formieren, sondern drängte sich ungeduldig durch ihre Reihen. Kethri entging nicht, wie abgehärmt das Dorfoberhaupt aussah. Er fühlte sich mitschuldig daran und zuckte zusammen, als er Adapas „Cheva? Cheva! Bist du wirklich wieder da? Wo bist du?“ hörte. Noch bevor Adapa sie richtig sah, nahm seine Frau ihn bereits in seine Arme.
Kethri zwang sich zu einem Scherz und erklärte: „Es gab gewisse Probleme bei den Einreiseformalitäten.“
Adapa blinzelte, als registriere er Kethris Anwesenheit erst jetzt.
„Du hier? Jetzt noch?“ fragte er den Nichtmenschen über Chevas Schulter hinweg, wobei er wirkte, als sei er nicht bereit, seine Frau jemals wieder loszulassen.
„Nicht bis zum Ende, aber darüber hinaus“, grinste Izimu Qat.
Der neben Kethri stehende Chinun verschränkte seine Arme und strahlte Zufriedenheit aus.
„Asura hat von einer ‚Wiederbelebung’ gesprochen, als sie mich holte. Hat Prometos da seine Finger im Spiel? Asura deutete auch an, dass dies alles auf Chevas Betreiben hin geschähe…?“
„Das ist korrekt“, gab Kethri Auskunft. „Prometos und Cheva haben etwas in Gang gesetzt… Aber die Shuruppaker haben die beiden betrogen. Wir mussten heute Nacht von dort fliehen.“
Adapa löste sich so sanft wie möglich von Cheva, jedoch nur im Körperlichen, nicht im Äther. Er legte dem Nefilim die Hand auf die Schulter. Seine Ätherpräsenz zeugte von Dankbarkeit, zumindest jener winzige Teil, der nicht gerade mit der zurückgekehrten Gefährtin zu verschmelzen suchte.
<Erzähl mir das später ausführlich>, bat Adapa. Erneut ergriff er Chevas Hände.

Vor den Augen der Milizionäre und der beiden Nichtmenschen liebkoste Cheva das Gesicht ihres Lebensgefährten. Die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. Adapa verstand zuerst nicht das Geringste. Der erste Fetzen, der Sinn ergab, lies ihn zurückzucken:
„…und stell dir vor, ich habe die ganze Zeit über in Ninkis altem Haus gewohnt!“
Doch davon wollte Adapa nichts hören. Sein Äthersinn zog sich in sich selbst zurück. Noch nicht einmal für die Lektüre eines Briefes wollte er die Trennung der Lebenssphären seiner alten und neuen Familie aufheben. Für Adapa stellte sein Exil in Dilmun nicht das Ende, sondern einen Anfang dar, und er mochte keinen Schritt auf diesem Weg zurückgehen. Soweit es ihn betraf, stand da nicht sein alter Bekannter Chinun neben Kethri, sondern lediglich ein namenloser Diener des Nefilim. Kethri selbst war erheblich schwerer wegzudefinieren. Die Zeiten, in denen Adapa ihn sich als lediglich einen Freund seiner Söhne, den diese heimbrachten, vorstellen konnte, waren mit diesen Söhnen gestorben.
Dass seine Cheva diese Ansicht nicht teilte, sondern nun bereits in der zweiten Krise instinktiv die Hilfe der Sternengötter gesucht hatte, schmerzte den Titanen. Doch was konnte er schon dagegen tun?
Adapa wies einladend in Richtung seines Hauses. „Ihr müsst alle drei müde sein. Folgt mir!“

„Du bist also diejenige, die den Anstoß gegeben hat, der schließlich zu unserer Freiheit führte“, sprach Paschuku Cheva an, während die Gruppe sich in Richtung Dorf bewegte. Die Menschenfrau nickte scheu. Umringt von lauter identischen Kopien ihres Mannes fühlte sie sich unsicher. Cheva sah erstmalig so viele Titanen zusammen. Ihr früheres Leben im Dienst der Sternengötter hatte kaum Berührungspunkte mit diesen ersten Sklavengenerationen beinhaltet.
Doch identisch waren die Titanen nur äußerlich. Ihr Gesichtszüge verrieten, dass in jedem eine eigenständige Persönlichkeit schlummerte – und in so manchem bereits erwacht war.
Aus diesem Gedankengang heraus wandte sich Cheva an Kethri: „Mit Abel wird das anders sein, nicht wahr? Die Titanen wurden aus einem undifferenzierten Zellhaufen geschaffen, daher haben sie sich unterschiedlich entwickelt. Abel hingegen hat schon so viel erlebt! Er muss sich nur wieder daran erinnern!“
„Warten wir´s ab“, knurrte der Nefilim.
„Ja, warten wir es ab!“ bestätigte Cheva, begleitet von einer vorwurfsvollen Gefühlsdosis, die ihre Unsicherheit wegwischte.
<Wir scheinen hier ja wirklich willkommen zu sein>, meinte Chinun. <Sie haben zwar eine Wache an Eurer Mu zurückgelassen, aber wohl nur, um das Schiff vor wilden Tieren zu schützen.>
Kethri nickte. Auch ihm war nicht entgangen, dass die Waffen der Titanen nun von ihnen fort wiesen.

Die „Windwandler“ war auf der Adapas Haus gegenüberliegenden Seite der Siedlung gelandet. Um es zu erreichen, mussten die Besucher das gesamte Dorf durchqueren. Auf dem Weg durch das Dorf folgte den Ankömmlingen mehr als nur ein paar neugieriger Augen.
„Lustig, dass so ein Sternengott nachts schläft, was?“ kommentierte Paschuku Kethris Gähnen unterwegs. Der Jäger hörte den Mann und seine Freunde lachen.
Weitere Gesichter erschienen in den Fenstern, teils menschliche, teils Kopien Adapas. Nicht jeder der Titanen gehörte auch Paschukus Miliz an. Das Trio Anschar, Kischar und Ningischa beispielsweise hatte eine Hütte ein wenig abseits der Ortschaft errichtet und nahm nur zögerlich am Dorfleben teil. Die drei benötigten Zeit, sich an eine andere Existenz als die eines Grubensklaven und Zuchtbullen zu gewöhnen. Sie arbeiteten fleißig auf den Feldern, weil ihnen diese vertraute Routine Sicherheit bot. Manche Titanen betrieben Kunst, obwohl ihre Nefilimgene ihnen deutliche Grenzen auf diesem Gebiet setzten. Die Motive, die sie in Decken, Fußbodenmatten und Kleidung webten oder auf Keramiken malten, erinnerten an die im Goldland herrschende ewige Nacht mit ihren Kunstlichtern. Andere befreite Sklaven erprobten sich als Viehzüchter, Handwerker oder Jäger, doch waren auch diese Tätigkeiten stets geprägt davon, was hinter ihnen lag. Jene Titanen, die Erze abbauten, betonten, dies nicht mehr für die Götter, sondern für ihr eigenes Volk zu tun. Dennoch blieb es eine Tatsache, dass sie anwandten, wofür sie in Shuruppak und Hawila ausgebildet worden waren. Wer Pferde großzog und ausbildete, dachte daran, dass dieselben Techniken bei ihnen ja auch funktioniert hatten. Und Paschukus Gedanken drehten sich beständig darum, wie er Sternengötter mit seinen bescheidenen Mitteln daran hindern konnte, seinen Geschwistern ihre Zuflucht wieder zu rauben.
All das erschloss sich den Besuchern während ihrer nächtlichen Wanderung, denn sie kannten es aus ihrer eigenen Geschichte und zum Teil bereits aus eigener Erfahrung.
„Die Titanen sind anders als die Menschen“, musste Adapa zugeben. „Die Menschen haben ihr neues Dorfleben rasch angenommen, ganz so, als sei die Freiheit nur ein weiterer Befehl, den sie ausführten. Meine versklavten Geschwister hingegen sind sich nach und nach der Tatsache bewusst geworden, dass sie unfrei waren. Manche, wie Chiron, haben bereits in Shuruppak darunter gelitten. Anderen, wie Paschuku, ist es erst in Hawila klar geworden. Ich denke, es ist gut, sowohl Menschen als auch Titanen in Uruk zu haben. So kann eine der anderen helfen, ihre Defizite aufzuarbeiten.“
Chinun starrte den ersten Menschen ungläubig an, gleichzeitig suchte er Izimus Präsenz im Äther: <Ihr seid beide solche unschuldigen Idealisten, richtig?>

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